Die Diskussion gleicht einem seltsamen Tanz, in dem die Partner mehr miteinander ringen, als harmonisch voranzuschreiten. Und wenn doch einmal zwei Schritte in dieselbe Richtung unternommen werden, geht es wenigstens anderthalb wieder zurück. In dieses Bild passt die Bemerkung von Dr. Torsten Prasuhn: "Wir drehen uns im Kreis", sagte der Schulpflegschaftsvorsitzende der Grundschule Nammen am Montag im Bildungsausschuss.
Prasuhn gehörte im Forum des Gymnasiums zu den Rednern, die bereits am 19. Januar anlässlich der Auftaktdebatte für Standorte und Ideen warben und vor allem die vorgelegten Daten der Verwaltung zu Gebäudewirtschaft und Schülerzahlen kritisierten.
Die Verwaltung hat die Januar-Debatte inzwischen ausgewertet, Ende Februar ein mehrstündiges Gespräch mit den Interessengruppen geführt und ist in einem umfangreichen Papier auf Vorschläge und Kritik aus der Bürgerschaft eingegangen. So bezieht sich die Auswertung auch auf den Vorschlag des Dorfvereins Möllbergen, ein neues Grundschulzentrum Süd zu bauen. Dazu die Verwaltung: "Bei einer langfristigen Betrachtung der Schülerzahlen ist festzustellen, dass selbst eine einzige zwei- bis zweieinhalbzügige Grundschule im Süden keine dauerhafte Bestandsgarantie hat. Dies spricht gegen hohe Investitionen in einen auf 25 Jahre berechneten Neubau oder Anbaumaßnahmen und für die weitere Nutzung vorhandener Schulgebäude."
Prasuhn hatte beklagt, dass mögliche Schulschließungen die Kommune finanziell kaum entlasteten. Das sieht die Verwaltung anders: "Schulträger kalkulieren allgemein bei der Schließung einer ein- bis zweizügigen Grundschule mit einer jährlichen Kostenersparnis von rund 150 000 Euro." Diese Summe erhöhe sich, wenn man den zusätzlichen Investitionsbedarf für Sanierungen, beispielsweise im Hinblick auf Brandschutz, dazunehme. Auf der anderen Seite müsse eine Steigerung der Schülerbeförderungskosten bei Schulschließungen gegengerechnet werden.
Unterm Strich haben die Vertreter einzelner Grundschulen sowie die Bürgerinitiative Bizeps, die an allen zehn Grundschulstandorten festhalten möchte, weiterhin Zweifel an dem Datenmaterial der Stadt. So lägen der behaupteten Kostenersparnis von jährlich 150 000 Euro lediglich Zahlen aus dem Jahr 2007 zugrunde, moniert Prasuhn.
Um zumindest auf eine von allen Seiten akzeptierte Datenbasis zurückgreifen zu können, soll die Verwaltung den Referenzzeitraum auf die Jahre 2008 und 2009 ausdehnen. Das haben die Politiker einstimmig beschlossen. Ferner wird die Kämmerei beauftragt, die finanziellen Auswirkungen von möglichen Standortschließungen transparent darzustellen. Sämtliche Daten werden in einer Sondersitzung des Bildungsausschusses in der Woche nach Ostern präsentiert. Bis dahin sollen sich die Politiker intensiv mit den überarbeiteten Papieren der Interessengruppen und den Stellungnahmen der Verwaltung auseinandergesetzt haben.
"Die Eltern sind verunsichert"
An dem zeitlichen Fahrplan wollen Politik und Verwaltung festhalten. Am 5. Juli soll der Stadtrat über die Schulentwicklungsplanung abstimmen und die Standorte festlegen. Die Verwaltung bleibt bei ihrer Empfehlung, "dass in einem ersten Schritt drei kleine Grundschulen in einem für alle Beteiligten verbindlichen Zeitplan aufgelöst werden sollten".
Dass die Zeit drängt, zeigt die Situation in Vennebeck. "Die Eltern sind verunsichert, eine zügige Entscheidung ist wünschenswert", sagte Rektorin Anke Breuer gestern auf MT-Anfrage. Für das nächste Schuljahr sind bislang lediglich neun Erstklässler angemeldet worden. Deutlich zu wenig, um eine Klasse zu bilden. "Hätten wir allerdings die Zusage der Stadt, dass es in Vennebeck weitergeht, würden hier mehr Eltern ihre Kinder anmelden", sagt Breuer.