340 Mitarbeiter betroffen / Investorengruppe dreht Geldhahn zu / Kunden entziehen Unternehmen Aufträge
Betroffen sind am Stamm-Werk Wulferdingsen 340 Mitarbeiter. Die Firma ist Zulieferer für die Möbel- und Caravanindustrie.
Es war ein schwerer Schritt. "Wie schwer - das können Sie sich nicht vorstellen", sagt der 52-Jährige. Seit Anfang 2009 ist der gebürtige Rahdener Geschäftsführer von Fennel. Davor teilte er sich die Position für ein halbes Jahr mit Firmengründer Bernd Fennel. "Dass ich jemals einen solchen Schritt der Insolvenz gehen muss, hätte ich nicht gedacht", sagt Trawny.
Die Stimmung in der Belegschaft ist gemischt. Für viele sei es ein Schock gewesen, heißt es unter den Mitarbeitern. Doch andererseits habe man nach dem Flurfunk der vergangenen Wochen nun Gewissheit, wie es um das Unternehmen stehe. Mehr als 100 Mitarbeiter wurden gestern Morgen von Trawny in einer Belegschaftsversammlung informiert. Die, die im Urlaub sind, werden gesondert per Mail oder telefonisch in Kenntnis gesetzt.
Vor zwei Jahren verkaufte Bernd Fennel sein Unternehmen an die Deutsche Bercott Management Gesellschaft. Die hatten ein Ziel: Sie wollten das völlig marode Wulferdingsener Unternehmen sanieren. Ein Projekt, das scheiterte. "Hinzu kam die Finanzkrise im Herbst 2008", schildert es Trawny, "und ein Umsatz-Rückgang von mehr als 25 Prozent." Das sei vielen anderen Unternehmen in Deutschland auch so gegangen, doch bei Fennel sei zu allem Unglück noch Pech gekommen: "Im Frühjahr 2009 brachen zwei Mieter durch Insolvenz weg, darunter auch Fennel Technologies."
Die Folge laut Trawny: beträchtliche Mietausfälle. "Wir haben dann einen harten Sanierungskurs gefahren, waren damit erfolgreich und sind von 70 000 auf 40 000 Quadratmeter geschrumpft." Auch einige Mitarbeiter mit Zeitverträgen hätten das Unternehmen verlassen müssen. Doch bereits im ersten Quartel 2010 habe das Unternehmen erste schwarze Zahlen geschrieben.
Durchgehalten wurde das in Wulferdingsen nicht. Erneut brach der Umsatz ein. Zum einen dadurch, dass Fennel Probleme mit der Pünktlichkeit der Lieferungen hatte. "Das kostete Kunden." Mit dem Betriebsrat wurden in wochenlangen harten Verhandlungen immer wieder neue Konzepte erstellt. Letztendlich fiel die Entscheidung Richtung Kurzarbeit. "Wir haben vergangene Woche eine Betriebsvereinbarung erstellt", so Trawny. Zu der es nun nicht mehr kommt.
"Die Mitarbeiter sind absolut loyal und haben eine große Last getragen", lobt der Geschäftsführer. Sie säßen schließlich alle in einem Boot und ruderten in die gleiche Richtung. Aus den Plänen zur Sanierung wurde nichts. Erneut stornierten zwei namhafte Möbelhersteller aus Ostwestfalen vergangene Woche ihre Aufträge. "Das war letztendlich der Stolperstein für die Insolvenz." Am Sonntag wurde Trawny von den Investoren informiert, dass sie kein weiteres Geld für das Unternehmen zur Verfügung stellen.
"Es blieb keine andere Chance, als Insolvenz anzumelden." Doch Karl-August Trawny hat sich ein Ziel gesteckt: "Wir wollen weiter machen." Schließlich stehe der Name Fennel weiterhin für Qualität. "Wir sind zudem ein großer Arbeitgeber in der Region", ergänzte Unternehmenssprecher Cersten Hellmich. Wenn es weitergeht, dann mit einer deutlich geringeren Produkt-Vielfalt und einem massiven Abbau von Mitarbeitern. Darüber wird letzten Endes der Insolvenzverwalter entscheiden.
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