Die Temperaturen im andalusischen Granada sind derzeit angenehm, während die Sonne vom Himmel lacht. Doch das gute Wetter war nicht der Grund, warum Pierre und Antamar Höveler mit ihren Kindern Deutschland den Rücken gekehrt haben, zumindest nicht der einzige Grund. "Die Supermarkt-Filiale, die ich geleitet habe, wurde geschlossen. Ich wäre in die zweite Reihe gerückt", sagt Pierre Höveler. Also wollte die Familie woanders ihr Glück versuchen und dachte sich: "Wenn wir schon Deutschland verlassen, dann gleich dorthin, wo die Sonne lacht." Und die scheint häufig in Spanien. "Wir haben schon vorher zweimal den Bruder meiner Frau in Spanien besucht", sagt der 32-Jährige, "und uns dabei in das Land verliebt." Im Januar 2008 trafen die Hövelers ihre Entscheidung, schon im Juni brachen sie alle Zelte in der Kurstadt ab und verlagerten ihren Lebensmittelpunkt nach Andalusien. Doch so schnell die Familie in Granada angekommen war, sah sie sich dort mit der Realität konfrontiert. Die Stelle in einer Wurstfabrik, die Pierre Höveler in Aussicht hatte, wurde gestrichen. "Ich stand erstmal ohne Arbeit da, musste mich und meine Familie mit Hausmeistertätigkeiten über Wasser halten", sagt der 32-Jährige. Doch es traf die junge Familie noch schlimmer. Nach wenigen Monaten in Spanien starb Tochter Sara plötzlich an den Folgen eines angeborenen Herzfehlers.
"Unsere Familie stand vor einer riesengroßen Zerreißprobe. Wir haben nur noch Leere in uns gefühlt", erinnert sich Höveler. Das Abenteuer Auswanderung drohte zu scheitern, noch ehe es richtig begonnen hatte. Aber Aufgeben kam für den jungen Familienvater und seine venezolanische Frau nicht in Frage. Pierre Höveler machte sich als Maler selbstständig, Antamar kümmerte sich um Sohn Pier und die Töchter Naomi und Rebeca. Mit 1.200 Euro im Monat fiel es dem Alleinverdiener jedoch schwer, die fünfköpfige Familie und die fünf Hunde über die Runden zu bringen. Nun soll das im November eröffnete Tapetengeschäft die Existenz der Familie retten. "Und der Laden läuft nach anfänglichen Startschwierigkeiten ganz ordentlich an", sagt Pierre Höveler. Durch die Sendung "Goodbye Deutschland" habe er bereits viele Kontakte zu deutschen Residenten in Granada knüpfen können und so die ersten Aufträge erhalten, sagt er. Doch bis zu einem Leben in finanzieller Sicherheit sei es noch ein weiter Weg.
Ob die Familie in Andalusien bleiben will? "Aber klar doch", sagt Pierre Höveler. "Auch wenn es uns ins Deutschland finanziell womöglich besser ergehen würde, ist eine Rückkehr momentan ausgeschlossen." Auch für seine Tochter Sara werde er kämpfen. Die ist schließlich auf einem Friedhof in Granada beerdigt.
Infos:
www.hoveler.com
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