24.01.2012
600 Euro für ein unfreiwilliges Fotoshooting
68798 Autofahrer waren im vergangenen Jahr im Kreis Minden-Lübbecke zu schnell unterwegs / Deutlicher Rückgang
VON ULRIKE MISSBACH
Minden (va). Der allgemeinen Aufforderung "Bitte recht freundlich" folgen beim Fotoshooting nur die wenigsten. Das Gros der Abgelichteten hat einen eher angespannten Blick. Und sollte der ein oder andere doch einmal lächeln, wird ihm Selbiges schnell vergehen, denn das Bild kann teuer werden.
Der Herr der Starenkästen: Uwe Leidenheimer hat alle im Blick. VA-Fotos: Manfred Otto
12066218 Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr im Rahmen der mobilen und stationären Geschwindigkeitsüberwachungen des Kreises Minden-Lübbecke überprüft, 68798 Fahrer hatten dabei die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten. Am schnellsten war ein BMW-Fahrer auf der L770 in Hille unterwegs. Bei erlaubten 70 km/h hatte er 156 km/h auf dem Tacho. "Nach der Bußgeldkatalogverordnung handelt es sich hier um einen Verstoß, der mit 600 Euro Geldbuße, einem Fahrverbot von drei Monaten sowie der Eintragung von vier Punkten im Verkehrszentralregister geahndet wird", erklärt Uwe Leidenheimer, Leiter der Bußgeldstelle.
Insgesamt gesehen sei die Zahl der Raser jedoch im Laufe der Jahre deutlich zurückgegangen, berichtet Uwe Leidenheimer. Die meisten Überschreitungen im Vergleich zu den überprüften Fahrzeugen gab es im vergangenen Jahr in Minden an der Hausberger Straße, nördlich der Auffahrt zur B65. "Dort ist jeder 100. Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs, während es im Kreisdurchschnitt nur jeder 208. Verkehrsteilnehmer ist", erläutert Helmut Siedentopf, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Die Geschwindigkeitsüberwachungsanlage an der Hausberger Straße wurde auf Empfehlung der Unfallkommission des Kreises im November 2011 in Betrieb genommen. So hatte es in den Jahren zuvor auf dem Streckenabschnitt wiederholt schwere Unfälle gegeben. Zuletzt starben zwei Menschen bei einer Karambolage im September 2010.
"Die Anlage soll das Geschwindigkeitsniveau auf der Hausberger Straße senken und damit die Verkehrssicherheit erhöhen", erläutert Helmut Siedentopf. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Raser durch sogenannte Starenkästen deutlich gebremst werden, wissen Helmut Siedentopf und Uwe Leidenheimer. Je länger eine Anlage stehe, desto seltener werde die Geschwindigkeit dort überschritten. "Ziel der Geschwindigkeitsüberwachungen ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen sowie Unfallschwerpunkte zu entschärfen", so die beiden Experten.
Zum Jahreswechsel 2010/2011 hat der Kreis Minden-Lübbecke die Kameras komplett von Nassfilm- auf moderne Digitaltechnik umgestellt. Rund 2000 Fotos passen auf einen Chip. Die Kapazität wird jedoch nur selten ausgenutzt, da die Chips zweimal in der Woche ausgewechselt werden.
Vom unfreiwilligen Foto bis zum Bußgeldbescheid vergehen in der Regel 14 Tage. Rund 300 Fotos werden pro Tag von zwei Fachkräften gesichtet und ausgewertet. Zuletzt werden die Beifahrer unkenntlich gemacht. Erst danach geht der Bußgeldbescheid an den Empfänger.
Nicht selten erhält die Bußgeldstelle jedoch schon vorher einen Anruf von Rasern. "Obschon die Beifahrer ja grundsätzlich entfernt werden, befürchtet der ein oder andere Fahrer offensichtlich, dass der Ehepartner sieht, dass er nicht alleine im Auto saß", berichtet Uwe Leidenheimer. Mitunter wolle auch der ein oder andere Fahrer, der in einem Dienstwagen geblitzt wurde, verhindern, dass der Arbeitgeber etwas von diesem Vergehen erfahre.
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Dokument erstellt am 23.01.2012 um 22:25:24 Uhr
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