Fünfter Gerichtstag für die mutmaßlichen Serientäter / Zeugen begegnen Duo erstmals wieder und sind aufgewühlt
Wie etwa bei einer 30-Jährigen, die als Auszubildende in einer Kalletaler Tankstelle arbeitete, als die Täter den Verkaufsraum stürmten. "Ich habe immer noch Angst. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an diese Sache denke", sagte die Lipperin im Zeugenstand vom Landgericht Bielefeld.
Schlimmer waren für die Frau die beruflichen Auswirkungen. "Ich stand kurz vor der Abschluss-Prüfung. Die ist nicht so ausgefallen wie erhofft." Geblieben ist die Erinnerung an den Überfall, bei dem einer der beiden Täter mehrfach "Schieß doch, schieß doch!" zum vermummten Komplizen gerufen habe.
Nicht eine der beiden Waffen, sondern Pfefferspray kam am 31. März 2011 beim Überfall auf einen WEZ-Getränkemarkt in Bad Oeynhausen zum Einsatz.
"Das war ganz schlimm. Man kann nichts mehr sehen. Das brennt ziemlich lange. Sogar noch eine Stunde, nachdem wir im Krankenhaus waren", erzählte eine 45-jährige Kassiererin, der das Reizgas direkt in die Augen gesprüht worden war. Zur Spätschicht ist die Supermarkt-Beschäftigte seitdem nicht mehr in der Lage.
Nicht mehr weiterarbeiten konnte auch Rena Valent, die als Service-Kraft im Bad Oeynhausener Hotel Stickdorn von dem diebischen Duo bedroht und um die Tageseinnahmen beraubt worden war. "Mit der Vorladung kommt das alles wieder hoch", sagte die Mindenerin, die vor ihrer Aussage sichtlich nervös war. "Angst?", fragt Richter Reinhard Kollmeyer. "Ja", antwortete die Zeugin und wiederholte: "Ja. Ich hatte Angst um mein Leben."
Später auf dem Gerichtsflur, nach der überstandenen Befragung, atmete die 24-Jährige durch. "Krass" sei es gewesen, den Tätern gegenüberzutreten. Am meisten aber habe sie das Verhalten der beiden Angeklagten aufgewühlt. "Die haben mich einfach nur angegrinst. Dabei haben die mir doch wehgetan", sagte Rena Valent, die inzwischen eine neue Arbeitsstelle angenommen hat, bei der sie nicht mehr bis zu später Stunde und in dunkler Nacht arbeitet.
"Gut", ergänzt die junge Frau, "dass ich die Angeklagten nicht wiedersehen muss." Sagt es und macht sich mit ihrem Mann auf ins heimatliche Minden. Während wenig später Betty S. wie nach jedem Verhandlungstag in die JVA Gelsenkirchen und Joel V. in das Jugendgefängnis nach Herford gefahren werden.
Freitag wird der Prozess gegen die beiden Bad Oeynhausener fortgesetzt.
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