Donnerstag, 23.02.2012
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26.01.2012
Zuschlag für Gebäude unter Vorbehalt
Dr. Mojtaba Fathi bietet bei Zwangsversteigerung eine Million Euro für Mercure-Hotel-Komplex an der Königstraße
VON JÖRG STUKE

Bad Oeynhausen (va). In Gedanken haben Heidi und Steffen Loebel den Sekt schon kaltgelegt. Mit Erleichterung reagierten sie gestern bei der Zwangsversteigerung des Gebäudekomplexes an der Königstraße, in dem das von ihnen geführte Mercure-Hotel liegt, dass es einen ernsthaften Interessenten gibt: Dr. Mojtaba Fathi bot eine Million Euro für den wesentlichen Teil des Gebäudes.

Mojtaba Fathi und Zahra Shahsavan (mitte) haben für den westlichen Teil des Gebäudes geboten. Die Pächter und Betreiber des Hotels Heidi (l.) und Steffen Loebel hoffen, dass die Gläubiger dem Verkauf zustimmen. Foto: Stuke

Doch es war noch zu früh, die Korken gestern schon knallen zu lassen. Denn Daniel Kuhfuß, Anwalt der Gläubiger, bat um Bedenkzeit bis Freitag. Erst dann wird entschieden, ob Fathi den Zuschlag erhält.

Eng wurde es Anfang der Woche im Saal 3 des Amtsgerichts Bad Oeynhausen. Rund 30 Besucher interessierten sich für die Zwangsversteigerung des Gebäudes Königstraße 3-7 am Zentralen Busbahnhof. Wie sich herausstellte, befanden sich unter den Besuchern aber nur zwei Bieter. Außer dem Hotel Mercure befinden sich ein Bistro, zwei Arztpraxen und Büros sowie die Immobilienabteilung der Volksbank in dem zur Versteigerung anstehenden Gebäude. Die Filiale der Volksbank Bad Oeynhausen-Herford, die gleich nebenan in dem gleichen Komplex liegt, gehört nicht zur Versteigerungsmasse. Dieser Teil ist Eigentum der Volksbank.

Rechtspfleger Behrmann, der das Zwangsversteigerungsverfahren beim Amtsgericht Bad Oeynhausen leitet, hatte nach Rücksprache mit Interessenten und Gläubigern den Gebäudekomplex in zwei Pakete aufgeteilt. Paket 1 umfasst die Arztpraxis im Erdgeschoss und fünf Stellplätze in der Tiefgarage. Den Verkehrswert für diesen Teil gab Behrmann mit 297.000 Euro an.

Unmittelbar nach Behrmanns Aufruf bot Nadia Waezsada dafür 250.000 Euro. Ihr Mann Said-Hassan Waeszada betreibt in den Räumen seit knapp vier Jahren eine chirurgische Praxis. "Wir wollen Sicherheit. Wir wollen wissen, unter welchen Bedingungen wir hier noch arbeiten können", begründete Waezsada das Gebot.

Wenige Minuten später legte Dr. Mojtaba Fathi sein Angebot für das Paket 2 vor. Es umfasst das Hotel (114 Betten), Bistro, Büros, eine weitere Arztpraxis und 19 Stellplätze in der Tiefgarage. Der veranschlagte Verkehrswert liegt bei knapp 2,1 Millionen Euro. Fathis Gebot: eine Million.

"Das ist im Grunde schon ein sportliches Angebot", bewertete das ein Beobachter. Nach Informationen der NW sind aus dem Komplex rund 10.000 Euro an Mieteinnahmen pro Monat zu erwarten, andererseits aber auch knapp 3.000 Euro an Erbpachtzins zu zahlen. Dazu kommt ein erheblicher Sanierungsbedarf, auf den auch Rechtspfleger Behrmann vor der Versteigerung hingewiesen hatte. Hier ist allein von 120.000 Euro die Rede, die in Brandschutzmaßnahmen investiert werden müssten. Die gebotene Million liegt zunächst einmal deutlich unter 50 Prozent des angegebenen Verkehrswertes. Rein rechtlich kann der Zuschlag trotzdem erteilt werden, wenn man den fälligen Erbpachtzins mit in das Gebot hereinrechnet (siehe Info-Kasten).

Rechtsanwalt Daniel Kuhfuß, der bei der Versteigerung die Interessen der Gläubiger vertrat, beantragte einen Aufschub der Entscheidung. Bis Freitag, 27. Januar, müssen die Gläubiger (die Unternehmen Fjord NPL, USA, und Peak Collection, Frankfurt) nun entscheiden, ob sie das Angebot akzeptieren. Dr. Mojtaba Fathi ist zuversichtlich, dass er den Zuschlag auch bekommt. "Ich gehe davon aus, dass wir das Hotel weiter betreiben werden", sagte der Informatiker aus Bad Oeynhausen. Seit drei Jahren betreibt er mit seiner Frau Zahra Shahsavan bereits das Hotel Hafez in Bad Salzuflen. Diese Hoffnung teilen die Loebels. "Wenn Herr Fathi den Zuschlag bekommt, gehen wir alle zusammen einer freudigen Zukunft entgegen", sagte Steffen Loebel.

Am Freitag, 27. Januar, wird im Bad Oeynhausener Amtsgericht die Entscheidung der Gläubiger bekannt gegeben. "Ich bringe Sekt mit", verspricht Heidi Loebel.

Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 25.01.2012 um 22:25:29 Uhr

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