Donnerstag, 11.03.2010
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06.02.2010
"Mehr Gewicht auf regionaler Ebene"
Interview: Landrat Christian Manz über Internetverbindungen und Mehrbelastungen für die Kommunen

Kreis Herford (va). Mit 48 Prozent wurde Christian Manz (CDU) bei der Kommunalwahl Ende August 2009 ins Amt des Landrats gewählt. Zeit, ihn nach mehr als 100 Tagen in seinem Büro im Herforder Kreishaus zu besuchen. Dort sprach Redakteurin Barbara Glosemeyer mit ihm.

Im Gespräch: In sein neues Amt hat sich Landrat Christian Manz schon gut eingelebt. Das gilt allerdings nicht für sein Büro, wie er selbst einräumt. Dort fehlen zum Beispiel noch Bilder an der Wand, aber schon bald könnte dort eins vom Künstler Otto Klocke hängen, der 93-jährig im Jahr 2006 starb. Der Landrat mag dessen Bilder sehr. Foto: Kiel-Steinkamp

Herr Manz, Sie sind seit gut 100 Tagen Landrat des Kreises Herford. Zuvor waren Sie Bürgermeister von Spenge. Vermissen Sie diese Zeit?

Ja, ich vermisse die Zeit, aber sie hat mir auch sehr geholfen, das Amt des Landrats zu übernehmen. Ich kam aus einer Kommunalverwaltung und bin in eine Kommunalverwaltung gegangen. Meine Arbeit ist jetzt regionaler ausgerichtet. Wenn man für eine Stadt arbeitet, ist man in seiner Arbeit stärker auf die Stadtmauern begrenzt.

Was haben Sie in der Kreisverwaltung vorgefunden?

Zum einen ein leergeräumtes Büro, das wieder mit einer gewissen Individualität gefüllt werden muss. Da ist im Moment noch Nachholbedarf erforderlich. Zweitens aber, und das meine ich ehrlich, habe ich sehr nette Kolleginnen und Kollegen vorgefunden, die mich offen und herzlich aufgenommen haben. Das hat den Einstieg erleichtert und auch, dass ich viele schon aus meiner Spenger Zeit kannte.

In der Vergangenheit wurde mehrfach gesagt, dass die Kreisverwaltung durch die Bildungsbüro-Affäre schwer angeschlagen war in ihrer Motivation. Haben Sie das so erlebt?

Ich habe eine gewisse Erwartung gespürt und die bange Frage, ob uns die emotionale Kehrtwende gelingt. Ich glaube, dass uns dies gelungen ist. Auch die organisatorischen Veränderungen haben sicherlich dazu beigetragen.

Als eine Ihrer ersten Amtshandlungen haben Sie das regionale Bildungsbüro zerschlagen. Wollten Sie damit ein Zeichen setzen?

Ich würde nicht von einer Zerschlagung sprechen. Wenn man eine Institution nicht mehr im Detail überschauen kann, ist es legitim, Teilabschnitte zu bilden, die transparenter und besser kontrollierbar sind. Es wird verwaltungsintern weiterhin um die Bündelung von Ressourcen gehen, nach außen bleibt das Bildungsbüro als Ansprechstelle erhalten.

Mit der Umstrukturierung der Kreisverwaltung haben Sie die Dezernate gestärkt und damit die Verantwortlichkeit der Dezernatsleiter . . . ?

Ja. Ich habe in Spenge gute Erfahrungen damit gemacht, Verantwortlichkeiten nicht nur herzustellen, sondern sie auch leben zu lassen. Das ist auch hier mein Ziel. Nichtsdestotrotz sind die Dezernatsleiter verpflichtet, mir fachlich und auch im persönlichen Verhältnis einwandfrei zuzuarbeiten. Ich möchte dem Kreis auf regionaler Ebene mehr Gehör verschaffen. Dafür brauche ich eine gewisse Entlastung und Fachberatung. Mir ist wichtig, dass der Kreis in der regionalen Verkehrspolitik, in der Bildungslandschaft und im OWL-Marketing mehr Gewicht erhält. Zusammen mit dem Leitungsteam in der Verwaltung möchte ich dem Kreis Herford auf regionaler Ebene eine bessere Position verschaffen.

. . .Und sich auf Repräsentationsaufgaben konzentrieren . . .?

Nein, das ist eine nicht zutreffende Wahrnehmung. Repräsentationstermine finden überwiegend nach Büroschluss und an Wochenenden statt, selten während der Arbeitszeit.

Wenn Sie die Vernetzung des Kreises mit anderen Städten und Kreisen auf regionaler Ebene verbessern wollen, heißt das: Da gibt es Nachholbedarf?

Nein. Widufix ist ein Beispiel dafür, dass andere von uns etwas übernommen und gelernt haben. Aber es kommen neue Aufgaben hinzu. Ein wichtiges Thema werden leistungsfähige Internetverbindungen in der Region sein. Das gelingt nur, wenn man Erfahrungen und Erfordernisse austauscht. Es muss nicht jeder wieder von vorn anfangen, wir können voneinander lernen.

Nun steht der Kreis aber kurz vor der Haushaltssicherung. Da bleibt wenig Spielraum . . .

Ob wir in der Haushaltssicherung landen, hängt von aktuellen belastbaren Zahlen ab, die der Kämmerer vorlegen wird. Richtig ist, dass die Finanzlage des Kreises äußerst angespannt ist. Es gibt aber auch viele Dinge, für die wir nicht unbedingt hohe finanzielle Ressourcen brauchen. Bei der Weiterentwicklung des ÖPNV oder der Dorfentwicklung geht es nicht immer um gewaltige Summen. Wir müssen lernen, dass die Zeiten der großen finanziellen Abschöpfungen erst einmal vorbei sind.

Aber die Kreisumlage wollen Sie trotzdem erhöhen. Ist das fair, wo doch die Städte und Kommunen schon finanziell hoch belastet sind?

Da muss ich jetzt den Rollenwechsel vom Bürgermeister zum Landrat vollziehen (lacht). Aber im Ernst: Wenn die steigenden Kosten beispielsweise bei der Sozialhilfe bei den Menschen in den Städten und Gemeinden entstehen, dann müssen sich die Kommunen auch an den Kosten beteiligen. Der Kreis arbeitet an der Stelle ja für die Menschen in ihrer Eigenschaft als Bürgerinnen und Bürger der kreisangehörigen Kommunen. Der Kreis wird die Umlage nicht so stark erhöhen, dass er selbst wieder völlig frei schwimmen kann. Aber er muss Belastungen wenigstens zum Teil auch auf die Kommunen übertragen.

Nur: Die Städte und Gemeinden haben keine Umlage, die sie anzapfen können . . .

Es stimmt, die Kommunen sind am Ende der staatlichen Finanzierungskette. Sie können nur über Steuer- oder Gebühren höhere Einnahmen erzielen. Aber der Kreis ist ebenso in dieser Durchlaufkette, weil er z. B. Mehrausgaben des Landschaftsverbandes verdauen muss. Diese Mehrbelastung hat der Kreis übrigens in der Vergangenheit selbst geschultert und nicht an die Kommunen weitergereicht. Das Ziel kann nur eine bessere finanzielle Gesamtausstattung, eine Finanzreform sein. Die ist aber nur durchsetzbar, wenn das Geld sprudelt.Welche Sparmöglichkeiten sehen Sie beim Kreis?

Um welche zu sehen, müsste ich ja erst einmal Verschwendungspotenzial erkannt haben. Der Kreis ist aber seit Jahren dabei, Kosten zu kanalisieren. Wenn man aber Infrastruktur vorhalten muss, kann man nicht immer weiter bei den Sachausgaben streichen. Das gilt auch für das Personal. Wenn man einerseits schnellere Arbeitsabläufe fordert, andererseits aber Stellen abbaut, hat das Konsequenzen. Darüber muss man sich im Klaren sein. Das Einfordern von Kosten- und Aufwandsersparnissen muss nicht immer mit einer angemessenen Aufgabenerfüllung einhergehen.

Können nicht trotzdem Strukturen schlanker werden? Brauchen wir mehrere Bauhöfe und Jugendämter im Kreis?

Es gibt immer Institutionen, die hinterfragt werden wie die Bauhöfe. Nur: Es gibt, weiß Gott, andere Strukturen, die man überdenken sollte.

Welche?

Größere Dinge. Wir reden immer über Kooperationen, die so nicht funktionieren können, Was nutzt ein Pool von Streufahrzeugen, wenn alle sie brauchen? Wir fordern eine effizientere Ausnutzung von Fahrzeugen und Kolonnen, aber es gibt Spitzenlasten, für die jede Kommune gerüstet sein muss. Wir arbeiten schon auf ganz vielen Feldern wie der Volkshochschule oder im Abwasserbereich zusammen, thematisiert werden aber nur die, bei denen es nicht funktioniert und nicht funktionieren kann. Da braucht jeder eine gewisse Eigenständigkeit.

Dennoch wird auch der Kreis Herford sparen müssen . . .

Sicher müssen wir wirtschaftlich arbeiten. Wenn wir aber immer neue Aufgaben bekommen, werden wir unsere Ausgaben nicht senken können. Die Betreuungsplätze für die Unter-Dreijährigen zum Beispiel wird ohne höhere Ausgaben nicht möglich sein. Also muss man intern umschichten und da kommt jede Stadt, jeder Kreis an seine Grenzen.

Schlussfrage: Was war Ihre größte Überraschung, als Sie Ihr Amt vor 100 Tagen übernommen haben?

Dass es relativ reibungslos vonstatten gegangen ist.

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Copyright © Vlothoer Anzeiger 2010
Dokument erstellt am 05.02.2010 um 22:25:03 Uhr

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