Die 43-jährige Simone S. absolvierte ein Slavistik-Studium, heiratete und gründete eine Familie mit sechs Kindern. Im November 2009 erlebte sie eine Überraschung: Ihr Mann, ein Sozialpädagoge, verlor seine Arbeit, und die Familie rutschte für acht Wochen in den Hartz-IV-Bezug. "Wir waren nicht darauf eingestellt, und anfangs war es mir peinlich", sagt sie. "Nicht, dass wenig Geld da war, es hat nur so lange gedauert, bis alle Bescheide richtig bearbeitet wurden."
Diese Erfahrung bestätigt Emine P.. Die 29-jährige Türkin, Mutter von zwei Kindern, ist seit ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau ohne Job. Ihr Mann arbeitet seit mehreren Jahren für eine Leihfirma. Beide Frauen trotzen den Problemen des Alltags und erklären, wie man mit wenig Geld eine Familie ernährt. "Ich bin für Qualität statt für Quantität", erklärt Simone S. Sie kauft ein, kurz bevor der Wochenmarkt schließt und nimmt die Kinder mit, damit sie vielleicht noch eine Banane geschenkt bekommen.
Emine P. hat eine andere Strategie: "Ich mache ein Mal im Monat einen Großeinkauf im Discounter. Dabei versuche ich, die Wünsche der Kinder zu erfüllen."
Mutter Simone S. hebt hervor, dass sie auch während der Hartz-IV-Zeit den Kindern weiterhin Ballett- und Klavierunterricht ermöglicht hat. Geburtstagseinladungen müssten die Kinder manchmal absagen. "Sie behaupten einfach, sie seien krank, damit wir kein Geschenk kaufen müssen."
Die junge Frau, Emine P., bekommt im Monat 700 Euro, von denen allein etwa 500 Euro für die Miete verbraucht werden. Erst am Monatsende erhält sie das Kindergeld. Zwischenzeitlich holt sie sich von Eltern und Geschwistern Unterstützung.
Anfangs schämte sie sich, musste aber schnell lernen, offen mit ihrer Situation umzugehen. "Ich spreche die Menschen direkt an und beschreibe meine Lage. Viele zeigen Verständnis, beispielsweise darf ich manchmal das Essen im Kindergarten später bezahlen."


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