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24.07.2010
Hochgiftigem Bärenklau zu Leibe gerückt
Allergiker und Kinder gefährdet / Warum der Kreis Herford und seine Partner die imposante Herkulesstaude vernichten
VON CORINA LASS

Herford (va). Der Riesen-Bärenklau ist kein gern gesehener Einwanderer im Kreis Herford. Einer dieser großen Pflanzen, auch Herkulesstaude genannt, rückten jetzt Mitarbeiter des Vereins Maßarbeit am Stadtweg in Herford zu Leibe.

Olaf Sander (l.) und André Drangmeister entfernen ein besonders großes Exemplar der Herkulesstaude. Foto: Kiel-Steinkamp

Mit dicken Handschuhen, in langärmeligen T-Shirts und mit Heckenscheren zwackten sie vorsichtig die Blütenstängel ab, um sie der Müllverbrennungsanlage zuzuführen.

Für Kinder und Allergiker besonders gefährlich

Die Vorsicht hat ihren Grund: Alle Pflanzenteile enthalten hoch giftige Substanzen. Eine kleine Berührung kann zusammen mit Sonnenlicht schmerzhafte Hautverbrennungen mit nässenden Brandblasen hervorrufen. Gefährdet sind besonders Allergiker und Kinder. Für eine Reizung der Atemwege genügt bei Bronchitis-Anfälligen oft schon das Einatmen des Pflanzendufts.

Kinder lockt die Staude mit ihren dicken, hohlen und bis zu dreieinhalb Meter hohen Stängeln, die sie im Spiel gerne mal umhauen. Die brennenden Folgen machen sich erst Stunden später bemerkbar. Und sie können für die Kinder lebensgefährlich werden.

Der Kreis Herford bemüht sich, die Pflanze in Zusammenarbeit mit dem Verein Maßarbeit, der Arge und der Biologischen Station Ravensberg auf seinem Gebiet auszurotten, auch weil die Staude einheimische Arten verdrängt. Mit Erfolg, wie Jutta Bergmann vom Kreis Herford betont. Rund 250 Standorte der unerwünschten Staude sind kreisweit bekannt. Auf ihnen siedeln einzelne Pflanzen oder auch mehrere tausend.

Als Kreis, Maßarbeit, Biologische Station und Arge 2005 zu ihrem Vernichtungsfeldzug aufbrachen, gab es im Raum Vlotho Flächen von bis zu 3000 Quadratmetern, die nahezu komplett mit der Staude bedeckt waren. Inzwischen werden rund 50 Standorte nur noch daraufhin kontrolliert, ob Jungpflanzen nachgewachsen sind. "Wir haben die Verbreitung stark eingedämmt", erklärt Jutta Bergmann.

Für Arge-Geschäftsführer Klaus Binnewitt ist die Zusammenarbeit von Kreis, Maßarbeit, Biologischer Station und Arge zudem die ideale Verbindung von Natur- und Gesundheitsschutz mit gleichzeitiger Beschäftigungspolitik.

Das Saison-Geschäft zur Bekämpfung der Pflanzen, das meist im April beginnt und im November endet und von der unteren Landschaftsbehörde und den Kommunen finanziell unterstützt wird, übernehmen ein-Euro-Jobber.

Ein-Euro-Jobber hoch motiviert bei der Arbeit

Fünf Personen sind mit der "Gemeinwohlarbeit", so der stellvertretende Geschäftsführer, Herbert Busch-Prüßing, betraut. Und sie seien hoch motiviert, ergänzt Garten- und Landschaftsbauer Stephan Brenner, der die Leute anleitet. Auch bei größter Hitze suchten sie komplett mit Kleidung bedeckt zumeist unwegsames Gelände nach den jungen Stauden ab, die sie dann ausgraben. Sollte einer von ihnen allergische Reaktionen auf die Pflanze zeigen, werde er natürlich sofort von der Aufgabe entbunden, sagt Busch-Prüßing.

Wer Standorte der Stauden entdeckt, kann diese bei der Biologischen Station Ravensberg, Dr. Ulrike Letschert, unter der Rufnummer (0 52 23) 7 82 50, oder beim Kreis Herford, Jutta Bergmann, Tel.: (0 52 21) 13 23 22 melden.

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Copyright © Vlothoer Anzeiger 2010
Dokument erstellt am 23.07.2010 um 22:25:42 Uhr

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