29.07.2010
Stehklo, Kacheln und ein hartes Bett
Blick hinter "Schwedische Gardinen": Strenge und Respekt herrschen in Gewahrsamszelle der Polizeiwache
VON MEIKO HASELHORST
Herford (nw). Vincent van Gogh hat seine Bilder gerne betrunken gemalt, Schriftsteller hervorragenden Leumunds haben´s nicht anders gemacht. Andere scheint der Alkohol nicht so sehr zu inspirieren. Diesen Schluss lässt zumindest der Schriftzug zu, der in Zelle 3 des Polizei-Gewahrsams in großen Lettern an der weißen Wand prangt: "Bullenschweine".
Mit harten Bandagen: Polizeisprecher Joachim Thater-Klas deutet an, wie ein Unruhestifter notfalls mit Handschellen ans Bett gefesselt werden kann. Fotos: Kiel-Steinkamp
"Keine Ahnung, womit der oder die das geschrieben haben könnte, sieht aus wie Lippenstift", sagt Ralf Grabenschröer, der seit Jahren seinen Dienst im Polizeigewahrsam leistet. "Normalerweise", so der Oberkommissar, "nehmen wir den Leuten vorher immer alles ab." Dabei sitzen die Delinquenten - nicht selten in Handschellen - auf einem schweren Holzstuhl im "Empfangsraum", äußern sich zu Vorwürfen, buchstabieren den Beamten ihre Namen und werden - je nach Schwere des Vergehens - auch schon mal gewogen und gemessen.
Ein Blick durch den Türspion zeigt die spartanische Einrichtung der Zelle.
"Wenn hier einer für ein paar Stunden zu Besuch ist, weil er zu viel getrunken hat, nehmen wir diese persönlichen Daten nicht auf", erklärt Grabenschröer, "bei Drogendelikten oder Vergewaltigung ist das schon was anderes."
Ob schwerer Junge, Trunkenbold oder Redakteur - der Blick in die Zelle ist ernüchternd: In einem weißen Raum liegt auf einem flachen Betonpodest eine schwarze Gummimatratze. An den Seiten befinden sich Metallringe, an denen Unruhestifter gegebenenfalls mit Handschellen fixiert werden können. Durch eine verriegelte Panzerglasscheibe fällt mattes Licht in den Raum. In der Ausnüchterungszelle gibt´s zur spontanen Verrichtung der Notdurft noch ein Stehklo aus Aluminium - das war´s.
"Die sollen schon merken, dass sie eingesperrt sind - wir wollen kein Hotelzimmer daraus machen", sagt Polizeisprecher Joachim Thater-Klas. Apropos Hotel: "Im Urlaub in Ägypten habe ich gesehen, dass dort überall kleine Pfeile Richtung Mekka zeigen, damit die Gläubigen wissen, in welche Richtung sie beten müssen", sagt Grabenschröer und weist unter die Decke, wo ein kleiner grüner Pfeil nach Südosten zeigt. Ein Urlaubsmitbringsel der anderen Art - und eine Geste des Respekts.
Respekt ist Ralf Grabenschröer wichtig - egal, welches Vergehen sich der Insasse geleistet hat. Vielleicht kommt er auch deshalb bestens mit den Leuten klar. Echte Probleme gab´s noch nicht. "Viele Krawallmacher werden bei uns schon nach kurzer Zeit wieder ruhig - mit denen kann man dann ganz normal reden." Die meisten, so Grabenschröer, würden einen Tag später wieder entlassen, nur "echte" Straftäter blieben so lange, bis sie dem Haftrichter überführt würden.
Die fünf Zentimeter dicke Stahltür von Zelle 2 hat die Jahre nicht so gut überstanden wie Grabenschröer: Eine dicke Delle auf Kniehöhe zeugt von Wutausbrüchen der unfreiwilligen Gäste. "Das Material wird mürbe", sagt der Polizist und klopft auf die Tür, die seit 1983 in den Angeln steckt. "Da war wohl der ein oder andere Karate-Kämpfer am Werk."
Drei Zellentüren weiter befindet sich die Gemeinschaftszelle mit drei Sitzbänken und jeder Menge Platz zum Stehen. "Nach Demos können wir hier bis zu 20 Personen unterbringen", sagt Ralf Grabenschröer. Schlafplätze gibt´s hier nicht, aber die meisten sind ja auch ganz froh, wenn sie die Nacht wieder daheim verbringen dürfen.
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Dokument erstellt am 28.07.2010 um 22:25:33 Uhr
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