Donnerstag, 09.09.2010
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30.07.2010
Klaukids-Chefs angeklagt
Drei Männer und zwei junge Frauen sollen in Dortmund vor Gericht
VON JOBST LÜDEKING

Herford (nw). Sie sind vom Herforder Amtsgericht zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben: die Mutter der sogenannten Herforder Klaukinder und die älteste Tochter, die mit ihrer Schwester (15) überregional als Taschendiebin aktiv war. Sie wollen sich dem Strafprozess in Herford entziehen, so die Vermutung der Ermittler.

Die Mädchen aus Herford: Eine Kamera filmte sie bei einer Tat. Kopftücher sollten die Identifizierung erschweren. Fotos: privat

Ihre mutmaßlichen Hintermänner und zwei Komplizinnen haben weniger Glück. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat die ersten drei Anklagen in dem Komplex erhoben. Sie richten sich gegen fünf Personen. Das bestätigte Oberstaatsanwältin Ina Holznagel, Sprecherin der Dortmunder Anklagebehörde, auf Anfrage. "Wir gehen davon aus, dass die drei Männer im Alter von 23, 34 und 40 Jahren die Einsätze überwacht und entschieden haben, wie viel die Mädchen arbeiten mussten und wann sie frei hatten." Die Klaukids waren immer wieder zwischen Köln und Hannover gefasst worden.


Zwei ebenfalls angeklagte junge Frauen sollen für das Trio gestohlen haben. Die Schwerpunktabteilung für Organisierte Kriminalität geht von einem hierachisch strukturierten System aus. In früheren Verfahren in Städten wie Köln wurden ebenfalls solche Strukturen festgestellt. Die Dortmunder haben bisher 61 Fälle angeklagt, bei denen es zu Taschendiebstählen kam oder illegal Geld mit EC-Karten der Opfer abgehoben wurde.

"Die durchschnittliche Schadenssumme liegt bei 500 Euro", skizziert die Oberstaatsanwältin die Einnahmeseite. Wenn die EC-Karte eingesetzt worden sei, seien meist 1000 Euro bis 2000 Euro erbeutet worden. Zu den Vorwürfen geäußert hat sich keiner der Beschuldigten, so die Sprecherin. Die Gruppierung war von einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe der Polizei in Essen, Dortmund so wie der Bundespolizei im März zerschlagen worden. Seit dem sitzen die mutmaßlichen Haupttäter in Untersuchungshaft.

Die Beamten hatten die Gruppierung über Monate im Visier gehabt. Das Ergebnis: die drei 25 bis 40 Seiten dicken Anklagen. Nach den Festnahmen im Ruhrgebiet tauchten auch Frauen in Herford ab. Bei der Observation stießen die Ermittler auf überraschende Verhaltensmuster.

Die in Zweier- oder Dreiergruppen operierenden Taschendiebinnen waren mit Handys ausgerüstet, über die sie offenbar gelenkt wurden. Sie trugen große Umhängetaschen mit sich oder Zeitungen. In den Taschen waren Kleidungsstücke wie Jacken, Schals und Perücken. Sie konnten wie die Zeitschriften zum Abdecken der Taschen der Opfer verwendet werden.

Nach einem Diebstahl, so die Ermittlungsergebnisse, zogen sich die Diebe schnell um und waren so nur schwer verfolgbar. Außerdem nutzten die Täterinnen den Fundus, um sich beim Plündern der Opfer-Konten an den Geldautomaten zu verkleiden. So zeigt die Überwachungskamera die beiden Jugendlichen aus Herford mit Kopftüchern. Doch wer hat die jungen Frauen und Mädchen so ausgebildet?

Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2010
Dokument erstellt am 29.07.2010 um 22:25:06 Uhr

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