01.09.2010
"Wir vom Zirkus haben keine große Lobby"
Interview: Frank Keller, Sprecher des Zirkus Krone, über Tierschutz, Elefanten in Ketten und Hetzkampagnen
Herford (va). Wo immer Zirkusse gastieren, werden die Unternehmen von Tierrechtlern beobachtet. So geht es auch dem größten der Branche. Die Vorwürfe: Zu kleine Käfige, unwürdige Dressuren, Quälereien, Kettenhaltung. Redakteurin Alexandra Buck hat Zirkus-Sprecher Frank J. Keller mit den Vorwürfen konfrontiert. Krone gastiert ab morgen auf der Kiewiese.
Unermüdlich: Frank Keller erklärt, warum Zirkusse unter besonders strenger Beobachtung von Tierschützern und Behörden stehen. Foto: Alexandra Buck
Herr Keller, woran erkennt man, ob ein Tier zufrieden ist? Frank Keller: Unsere Tiere leben von klein auf bei uns, werden teils im Zirkus geboren. Wir erkennen schon am Gesichtsausdruck, wie es ihnen geht. Und? Sind Ihre Tiere fröhlich? Keller: Unseren Tieren geht es gut. Dafür gibt es diverse Nachweise. Etwa das Alter. Ein Raubtier in freier Wildbahn wird vier, vielleicht fünf Jahre alt. Unsere älteste Löwin ist vor zwei Jahren mit 26 gestorben. Unser Nashorn ist 34. Die Pferde in der Manege sind teils weit über 20 Jahre alt. Wir haben in München sogar ein Altenheim für unsere Rentner. Erreicht man dieses Alter, wenn man gequält wird? Leider können die Tiere uns nicht erzählen, ob es ihnen Freude macht, hunderte von Kilometern durch Europa transportiert zu werden. Keller: Wir haben vor Jahren bei den Löwen einen Stresstest machen lassen. Vor, während und nach dem Transport sind Blut- und Speichelproben genommen und untersucht worden. Das Ergebnis: kein Stress. Die Tiere kennen das von klein auf, sind mit der Fahrerei groß geworden. Anders unser Raubtier-Dompteur Martin Lacey. Er fährt den Wagen mit den Löwen. Bei ihm sind erhöhte Stresswerte festgestellt worden. Weil er sich bei jedem Transport stark konzentrieren muss. Wie viele Tiere leben im Zirkus Krone? Keller: Ungefähr 200. Wir haben Zebras, Pferde, Ponys, Elefanten, Kamele, Löwen und vieles mehr. Zebras, Elefanten, Löwen. Tierrechtler fordern schon lange ein Verbot von Wildtieren im Zirkus, weil diese nicht hinter Gittern gehörten. Keller: Das sind keine Wildtiere. Sondern? Keller: Diese Tiere sind zum Großteil im Zirkus geboren. Unsere Löwen befinden sich in der 16. Generation in menschlicher Obhut. Sie kennen kein Leben in freier Wildbahn, haben nie gejagd, sind nie geflüchtet. Würden wir sie aussetzen, würden sie sterben, weil sie sich kein Futter beschaffen können. Aber wenigstens könnten sie sich dort mal austoben. So ein schöner Spurt - das ist im Gehege ja schwerlich möglich. Keller: Unsere Löwen kommen morgens ins Außengehege, toben zehn Minuten und legen sich hin. Schließlich wartet tagsüber eine Menge Arbeit in der Manege auf sie. Katzen schlafen 18 von 24 Stunden. Und Löwen sind Katzen. Die Natur ist kein Kindergeburtstag und bei weitem nicht so romantisch, wie es Tierrechtler den Menschen weismachen wollen. Und doch gehören Tiere dorthin. Keller: Wer entscheidet, wer wohin gehört? Gehören wir Menschen den ganzen Tag an einen Schreibtisch? Ich glaube nein. Die heftigste Kritik bekommen Sie für Ihre Elefantenhaltung. Es heißt, die Tiere seien stundenlang angekettet. Keller: Die Tiere werden in der Tat angekettet. Zum einen, wenn sie fressen. So beugen wir Futterneid vor. Täten wir das nicht, bekämen die Starken das meiste Futter und die Schwächeren zu wenig. Auch bei der Pflege sind sie angekettet. Den Rest der Zeit sind sie in der Manege und in ihren Außengehegen. Vergleichbar mit normaler Viehhaltung. Wie viel Platz haben die Elefanten? Keller: Die Größen der Gehege sind gesetzlich vorgeschrieben. Einem Elefanten stehen 250 Quadratmeter zu. Wer kontrolliert das? Keller: Die Amtsveterinäre vor Ort. Wir fahren in dieser Saison 30 Gastspiel-Stationen an. Bei jeder werden wir kontrolliert, teils mehrfach. Darauf kann man sich einstellen. Was aber passiert hinter den Kulissen? Man wirft Ihnen quälerische Trainingsmethoden vor. Keller: Was sollte es uns bringen, die Tiere zu quälen? Zwing´ doch mal einen Sieben-Tonnen-Elefanten, aufs Podest zu steigen. Die Dressur funktioniert über Vertrauen und Belohnung. Futter, Zuckerwürfel. Die Besucher können bei den Proben zusehen. Wir haben nichts zu verbergen. Warum sind Ihnen die Tierrechtler dann so auf den Fersen? Keller: Das hat zwei Gründe. Zum einen hat Zirkus keine große Lobby. In unserem Geschäft spielt Geld keine entscheidende Rolle. Mit Zirkus wird niemand reich. Zirkus ist eine Herzensangelegenheit. Ich denke, im Pferdesport etwa ist Tierquälerei wesentlich weiter verbreitet als im Zirkus. Aber dort ist eben auch viel Geld im Spiel. Der zweite Grund ist, dass es tatsächlich viele unseriöse Zirkusse gibt. Sie versprechen Dinge, die sie nicht halten können, sie kopieren die Namen großer Traditionszirkusse, locken mit Freikarten, die keine sind, führen Esel durch die Städte und betteln. Das sind die schwarzen Schafe der Branche, die alles in Verruf bringen. Würde Ihnen denn ein Zacken aus der Krone brechen, wenn sie keine Wildtiere mehr halten? Keller: Zirkus basiert auf drei Säulen. Clownerie, Artistik und Tiere. Wenn davon eine wegbricht, sind wir kein Zirkus mehr. Sie würden aber unglaubliche Kosten sparen. Und Formate wie der Cirque du Soleil, die nur Artistik bieten, haben auch ihr Publikum. Keller: Das sind Formate, die eher jüngeres Publikum ansprechen. Wir möchten aber alle Generationen im Zelt vereinen. Die ganze Familie mit Kindern, Eltern und Großeltern. Das funktioniert nur, wenn auch tierische Artisten dabei sind. Dafür nehmen wir Einiges in Kauf. Nämlich? Keller: Schmierereien, zerstörte Plakate, Hetzkampagnen. Es wird vor dem Zelt teils lautstark demonstriert. Wo wir gastieren, muss auch immer Polizei patrouillieren. Es gäbe lohnenswertere Arbeitsfelder für Tierrechtler. Sie sollten dahin gehen, wo Tiere wirklich Hilfe brauchen und uns in Frieden lassen.
Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 31.08.2010 um 22:25:18 Uhr
Warum helfen diese "Möchtegerntierschützer" nicht den wirklich armen Tieren in unserem Lande. Weil sie beeinflusst werden von Tierrechtsorganisationen mit brutalsten Videos im Internet,
die 1. nicht von einem deutschen Zirkus stammen und 2. nicht für Kinder geeignet sind.
Und was machen Tierrechtsorganisationen mit Spendengeldern? Ach ja, z. B. Werbung bei Pro 7 !