Sina Quint hat ihren zweiten Sohn unerwartet vor dem Mathildenhospital auf dem Beifahrersitz zur Welt gebracht
Der junge Vater glaubt es kaum. Die Familie ist glücklich - Ärzte und Schwestern freuen sich mit. "Wie hat sie das nur gemacht?" ist der erste Gedanke des Vaters. Doch der Reihe nach. Sina (32) und Enrico (40) Quint aus dem Kalletal haben sich aufgrund von Mundpropaganda und nach einer Kreißsaal-Führung zur Entbindung ihres zweiten Kindes für das Mathildenhospital entschieden.
Termin wäre am Montag gewesen. Doch erst am Donnerstagmorgen um kurz nach 4 Uhr setzen erste leichte Wehen ein. "Da habe ich ein Bad zur Entspannung genommen", erinnert sich Sina Quint. "Es war auch erst kein richtiger Schmerz. Aber gegen 6 Uhr ging es ab, von Null auf Hundert." Sie weckt den Ehemann, die Großeltern rücken an, um den älteren Sohn zu hüten. Mit deren Mercedes sausen die Quints Richtung Herford. "Ich dachte nach den Erfahrungen bei der ersten Geburt immer noch, es würde erst nachmittags ernst", erinnert sich Enrico Quint. Doch er irrt. Kurz vor 7 Uhr hält er direkt vor dem Krankenhausportal, will seine Frau ins Haus bringen, doch die kann nicht mehr aufstehen. "Du kannst jetzt nicht weg", schreit die werdende Mutter, doch Enrico Quint muss Alarm schlagen und will einen Rollstuhl holen. "Ich war nur drei Minuten weg", schildert er die Dramatik. In der Zeit hat sich seine Frau mit ihrem dicken Bauch auf dem engen Sitz aus der Hose gepellt, den Jungen geboren und in eine warme Jacke gehüllt.
"Ganz schnelle Geburten meist unproblematisch"
Schon kommen die leitende Hebamme Schwester Ricarda Marquardt und die Ärztin Dr. Elena Seitz gelaufen. Das Auto wird in die Rettungswagen-Garage gefahren, die Notaufnahme für die Nachgeburt in einen Kreißsaal verwandelt und der Säugling fachmännisch abgenabelt. Chefarzt Dr. Richard Wojdat ist stolz auf die Eltern und sein Team: "Die ganz schnellen Geburten sind meist die unproblematischsten. Hier wurde alles richtig gemacht, besser geht es nicht." Geburten auf dem Weg zum Krankenhaus sind seiner Erfahrung nach selten. Er selbst hat 1998 einmal als diensthabender Notarzt in einem stecken gebliebenen Fahrstuhl im Krankenhaus in Langenfeld geholfen, ein Kind zur Welt zu bringen.
So etwas bleibt unvergessen. Auch im Mathildenhospital wurde vor fünf Jahren ein Kind im Fahrstuhl geboren, obwohl die Technik nicht gestreikt hat, erinnert sich Schwester Elvira Wiebe. Sie ist die Stillberaterin des Mathildenhospitals, dessen Bemühen um eine hohe Stillquote im vergangenen Jahr von der Unicef mit dem seltenen Zertifikat als "Babyfreundliches Krankenhaus" belohnt wurde. Tatsächlich wacht der neue Erdenbürger auf, schreit und zeigt, dass er Hunger hat - und nun die Pressekonferenz beendet ist.