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04.08.2010
Intensiv-Sprachkurs fördert Kompetenz
Multikulti XL im Kalletal: Goethe-Institut belegt in den Sommerferien Privatschul-Internat Schloss Varenholz
VON WERNER HOPPE

Kalletal-Varenholz (who). Wo um diese Zeit normalerweise ein sechswöchiger Dornröschenschlaf herrscht, hält die schulische Betriebsamkeit im Schloss Varenholz scheinbar unvermindert an.

Bei Multikulti pur lernen zurzeit 79 Schülerinnen und Schüler aus 15 Nationen Deutsch im Intensivkurs. Dabei stellen die Chinesen mit 21 Teilnehmern die größte Gruppe. Fotos: Werner Hoppe

Während der Sommerferien sind 79 Kinder und Jugendliche aus 15 Nationen ins Privatschulinternat Schloss Varenholz eingezogen zum dreiwöchigen Intensiv-Sprachkurs unter Trägerschaft und Regie des Goethe-Instituts.


"Von Argentinien über Costa Rica, Tschechien bis hin zu Usbekistan und Vietnam", reicht das Nationenspektrum, zählt Andrea Thierfelder de Matos auf.

Die gebürtige Dresdenerin, die seit 13 Jahren in Lissabon lebt, organisiert im Auftrag des Goethe-Institutes in den Sommerferien Sprachkurse für Erwachsene und Jugendliche. Das Institut habe bereits 2009 den gleichen Kurs in Varenholz ausgerichtet, erklärt sie. Sie selbst sei vor einigen Wochen zum ersten Mal hier gewesen, um Vorbereitungen zu treffen, Kontakte zu Kalletaler Jugendeinrichtungen zu knüpfen oder um Ausflugsziele im Lipperland oder im Bereich bis Hamburg einzuplanen.

1000 Partnerschulen in aller Welt vernetzt

Andrea Thierfelder erläutert den Hintergrund zur kleinen UNO im Schloss: Das Projekt ist Teil der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (Pasch), mit dem die Bundesrepublik Deutschland seit dem Jahr 2008 ein Netz von 1000 Partnerschulen in aller Welt aufbaut, die den Deutschunterricht einführen oder ausbauen wollen. Das Goethe-Institut selbst baut zusätzlich 500 Partnerschulen auf und hat bislang 300 als mögliche Partner identifiziert.

Der Schwerpunkt von Pasch liegt auf der Entwicklungszusammenarbeit mit Ländern, in denen der Deutschunterricht bislang noch wenig verbreitet ist. Zurzeit stehen deshalb 29 Fachleute zur Verfügung, die im Auftrag des Instituts potenzielle Partnerschulen im Ausland beraten, die bei Beteiligung am Programm auch mit Unterrichtsmaterialien unterstützt werden. Ein weiterer wesentlicher Baustein von Pasch sind die Sprachkurse in Deutschland, "um die interkulturelle Bildung der Schülerinnen und Schüler zu stärken". Dafür vergibt das Goethe-Institut Stipendien an besonders engagierte und qualifizierte Schüler, gleich welcher Herkunft.

Auch die 79 Kursteilnehmer in Varenholz, von denen einige in fremder Umgebung und Kultur während der ersten Tage noch etwas mit Heimweh zu kämpfen hatten, werden von Lehrerinnen und Lehrern aus ihren Heimatländern begleitet. Wie ihre Schüler nutzen sie in separaten Unterrichtseinheiten die Gelegenheit, ihre Deutschkenntnisse zu erproben und zu erweitern.

Dabei werden sie anschließend feststellen, "dass drei Wochen Intensivkurs den gleichen Effekt haben wie zwei Jahre regulärer Unterricht", versichert Andrea Thierfelder de Matos. Shaenda und ihre Freundinnen, die sie inzwischen in Varenholz gefunden hat, können das bestätigen.

Die 13-jährige Schülerin aus Kairo berichtet, natürlich in Deutsch, dass sie sogar im Weserfreizeitzentrum in Stemmen deutsche, jugendliche Triathleten kennen gelernt hat.

Schnell an das Leben im Schloss gewöhnt

Hintergrund: Shaenda ist in Ägypten eine erfolgreiche Schwimmerin und bereitet sich mit einer Kameradin aus ihrer Heimat bekannten Club "Heleplhes" auch bei ihrem Aufenthalt im Lipperland auf die nationalen Meisterschaften vor. "Dabei wird es für Shaenda um Platz eins oder zwei gehen", erklärt Andrea Thierfelder de Matos. Shaenda und die meisten anderen Kursteilnehmer haben sich schnell an das Leben im Varenholzer Schloss gewöhnt und bei Ausflügen und Begegnungen mit deutschen Gleichaltrigen einen Eindruck von Land und Leuten bekommen. Dazu gehören auch verschiedene Projekte, die ihnen Deutschland, seine Kultur und aktuelle technische Entwicklungen nahe bringen sollen, so die Kursleiterin.

Zum Beispiel das Projekt Energie, Klima und Umwelttechnologie mit einer Exkursion zu einer Biogasanlage im Lipperland oder das Theaterstück zum Märchen von Aschenputtel, das einige für den Abschlussabend einstudieren.

Die meisten Kursteilnehmer nehmen mit: Es gibt noch so viel mehr über Deutschland zu lernen, dass es sich lohnt wiederzukommen. Vielleicht sogar, um später hier zu studieren, kann sich Shaenda vorstellen, wie andere auch. Und vielleicht sogar mit Deutsch als Hauptfach...

Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 03.08.2010 um 22:25:39 Uhr

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