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06.03.2010
Hilfskessel befeuert die Spekulationen
Öffentlichkeit reagiert sensibel auf jede Veränderung im Veltheimer Kraftwerk / Neues Messgerät installiert
VON DIRK HAUNHORST

Porta Westfalica-Veltheim (va). Ein zusätzliches Messgerät, das im Gemeinschaftskraftwerk Veltheim (GKV) Schadstoffmengen dauerhaft erfasst, soll inzwischen verlässliche Daten liefern. Die geforderten Grenzwerte, die auch der Öffentlichkeit zugänglich sind, werden nach Aussage der Kraftwerksleitung eingehalten.

Regelmäßig in den Schlagzeilen: das Gemeinschaftskraftwerk. Das Foto entstand Mitte Februar. Foto: Edwin Dodd

Gegenüber dem Mindener Tageblatt äußerten sich die GKV-Geschäftsführer Rolf Baumeiter und Jörg Röthemeier zu den Diskussionen um das neue Messgerät. Dessen Einsatz hatte die Bürgerinitiative beim Streit um die Müllverbrennung Ende 2008 gerichtlich erwirkt. Der BI dauerte jedoch die Beschaffung des Gerätes viel zu lange, auch die Portaner Politiker äußerten ihren Unmut über die mutmaßliche Hinhaltetaktik im Kraftwerk.

Dieses neue Gerät, gerichtlich erstritten von der Bürgerinitiative, misst die Schadstoffe im Rauchgas. Foto: GKV

Solche Vorwürfe weisen Baumeister und Röthemeier zurück. Bei dem knapp 40 000 Euro teuren Messgerät handele es sich um ein Unikat. "Das bekommt man nicht im Kaufhaus um die Ecke." Aufgrund fehlender Erfahrungen mit der sogenannten "quasi-kontinuierlichen Messung" habe die Entwicklung eines solchen Gerätes entsprechend viel Zeit beansprucht. Außerdem habe der Stillstand von Block 3, in dem Müll mitverbrannt wird, für die Installation des Gerätes abgewartet werden müssen.

Auch die Justierung (Kalibrierung) des Gerätes kostete Zeit. Baumeister: "Anfangs wussten wir nicht genau, was wir messen." In diesem Zusammenhang sorgte Ende vorigen Jahres eine Meldung über Grenzwertüberschreitungen für Unruhe. Die erhöhten Emissionswerte rührten jedoch nicht von der Müllverbrennung her, sondern von einer neuen Kohlemischung, versichern die GKV-Geschäftsführer. "Wir haben hier umgestellt, weil die ursprüngliche Kohle nicht mehr auf dem Markt war. Wir mussten dann der neuen Kohle Kalk beimengen, damit Schadstoffe wie Arsen im Granulat eingebunden werden", sagt Baumeister. Das Problem sei nun behoben.

Zurzeit werden ungefähr 20 Tonnen Abfall pro Tag gemeinsam mit Kohle verbrannt. Ausgelegt ist die Anlage für täglich 100 Tonnen Müll. Das Mengenangebot sei jedoch infolge der Wirtschaftskrise rückläufig. Als weiteren zusätzlichen Brennstoff setzt das Kraftwerk Klärschlamm ein.

Dass Teile der Bevölkerung jede Veränderung im Kraftwerk mit Argwohn betrachten, zeigte zuletzt die Diskussion um die Hilfskesselanlage, deren Umrüstung das Kraftwerk beantragt hat. Das beschäftigte im Februar auch den politischen Fachausschuss. Röthemeier und Baumeister wundern sich über öffentliche Spekulationen, wonach auch der Gasblock am Ende zum "Müllblock" werden könnte.

"Vergleichbar mit Notstromdiesel"

"Wir wollen lediglich den Hilfskessel künftig auch mit extra leichtem Heizöl befeuern", sagt Röthemeier. Dieser Kessel produziere keinen Strom, sondern Dampf zum Anfahren der Blöcke, wenn diese längere Zeit gestanden hätten. "Von der Funktion her ist das mit einem Notstromdiesel zu vergleichen."

Der Hilfskessel komme nicht einmal auf 1000 Einsatzstunden im Jahr und solle weiterhin hauptsächlich mit Gas betrieben werden. Die zusätzliche Befeuerung mit Heizöl sei beantragt worden, um vom Gasmarkt etwas unabhängiger zu sein, da es in der Vergangenheit bereits Engpässe gegeben habe.

Die Forderung, die Emissionen des Hilfskessels über die höheren Schornsteine abzuleiten, anstatt in lediglich 40 Metern Höhe, kann die GKV-Leitung nicht nachvollziehen. "Die Brennertechnik ist hochmodern und die Gesamtbelastung steigt nicht. So gibt es auch keine Notwendigkeit für einen höheren Schornstein."

Genehmigungsbehörde ist übrigens die Bezirksregierung. Die Stadt Porta Westfalica kann bei solchen Verfahren lediglich eine Stellungnahme abgeben.

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Copyright © Vlothoer Anzeiger 2010
Dokument erstellt am 06.03.2010 um 01:15:12 Uhr

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