Gastgeber für die Schau historischer Handarbeiten und Kleidung war der Holtruper Heimatverein. Als Ortsheimatpflegerin und Trachtenbeauftragte stellte Gerda Schröder die wertvollen nostalgischen Kleidungsstücke vor.
"Trachten waren und sind auch ein Teil von Mode. Deshalb gehören sie in eine Modenschau", begann Gerda Schröder ihre aufschlussreiche Präsentation.
An bereitwilligen "Models" fehlte es nicht, denn einmal in Kleidung aus Urgroßmutters Zeiten zu schlüpfen, hielten zahlreiche Frauen für reizvoll und attraktiv. Herrenmode, wie sie von den Männern vor 100 und mehr Jahren getragen wurde, war viel weniger aufwendig und dennoch ebenso strikt für bestimmte Anlässe festgelegt wie die dörfliche Damenmode.
Eitel Schiller aus der früheren Costedter Volkstanzgruppe stellte als einziger "Dressman" seine Festtracht vor. Die vorgeführten Trachten waren teilweise Eigentum der Trägerinnen oder des Heimatvereins. Einige Besitzerinnen solch kostbarer Kleidung hatten außerdem ihre alten Schätze für die Modenschau leihweise zur Verfügung gestellt.
Investition fürs Leben
Die geschneiderten Blickfänge mit dazu gehörenden wertvollen Spitzen, Schleifen, Handschuhen und Bernsteinketten gaben Aufschluss über örtliches, bäuerliches Brauchtum. Nach dem Vorbild der Schaumburger Tracht im 19. Jahrhundert entstanden die Holtruper Tracht und auch die Bückeburger Tracht, berichtete Gerda Schröder.
Trachten seien meistens eine Investition fürs ganze Leben gewesen. Einmal angepasst, habe man sie bei Änderungen der Figur einfach geschickt variiert. "Bei Gewichtsabnahme wurde der Stoff gerafft, bei Zunahme des Körperumfangs durch Stoffkeil angepasst oder durch elastische Gummibänder geschlossen." Auch bei Schwangerschaften habe die übliche Kleidung mit Erweiterungstricks ihre Dienste getan.
Die Farben von Bändern und Spitzen an den Trachten um 1900 verrieten den übrigen Holtrupern eine Menge über die Situation in den Familien. Alle Dorfbewohner konnten sofort erkennen, ob Freude, Trauer oder Halbtrauer (dann lag der Trauerfall bereits längere Zeit zurück) herrschte. "Die Farben blau, schwarz und weiß waren die Farben der ersten Tracht, der Konfirmationstracht, die anschließend als Abendmahlstracht diente."
Diese Farbkonstellation kennzeichnete eine unverheiratete Frau. Typisch sei das viele Weiß an der Mütze, am Kragen und an den Vorärmeln gewesen. Dazu hätten die heranwachsenden Frauen ein weißes Schultertuch und eine weiße Schürze getragen. Nach der Hochzeit habe die junge Ehefrau dann durch eine schwarze Schürze ihren neuen Familienstand zur Schau getragen und dokumentiert.
Vorführungen einiger Arbeitsgänge zur Leinenherstellung sowie unterschiedliche Handarbeitstechniken durften die Besucher ebenfalls während der Veranstaltung rund ums Tuch, um Faden und Stoff bestaunen. Die vielfältigen Handarbeiten der "Anger-Lüts" (die große am Anger wohnhafte Familie Kerkhoff) waren zur allgemeinen Bewunderung ausgestellt. Käuflich waren diese Kostbarkeiten aus den vorigen Jahrhunderten nicht.
Zu kaufen waren am Schmalenbachweg lediglich selbst gestrickte warme Wollstrümpfe, die von der Spinngruppe Vlotho angeboten wurden. "Ich bin begeistert von dem Interesse an unserem zweiten Thementag, der sich Stoffen und Kleidung widmet", freute sich der Heimatvereinsvorsitzende Horst Mennig. "Wenn die Stühle im Dörphus wie jetzt besetzt sind, dann haben wir gut 100 Besucher."
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