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03.09.2010
Gletscher staut die Weser zu riesigem See
Heimatkundlicher Spaziergang in Möllbergen und Holzhausen / Streuobstwiese wird angelegt
VON GISELA SCHWARZE

Porta Westfalica-Möllbergen/Holzhausen (G.S.). Geschmack auf Natur bereitete der heimatkundliche Spaziergang, den die Teilnehmer mit allen Sinnen genießen durften.

Für den Geschmackssinn gab es direkt vor der zukünftigen Streuobstwiese köstlichen Apfelsaft zu trinken, der besonders dem elfjährigen Jannis ausgezeichnet mundete. Foto: Gisela Schwarze

Der Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta (NHP) hatte zur Exkursion an der Straße "Im Harksiek" und dem Bereich der ehemaligen Sandgrube Rüter eingeladen. Als Wegbegleiter begrüßte der Vereinsvorsitzende Herbert Wiese das NHP-Mitglied Holger Hansing, den Möllberger Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Könemann sowie dessen Sohn Dr. Peter Könemann, Geologe, Geograf und Biologe.

Nach der ersten Wanderetappe zum Biobauernhof "Löwenburg" belohnte Holger Hansing die Naturfreunde mit Apfelsaft, hergestellt aus Früchten von Streuobstwiesen. Die Bewirtung hatte ihren Grund, denn auf dem landwirtschaftlichen Gelände des Hausherrn Eckhard Hölkemeyer soll noch in diesem Herbst eine ausgedehnte Streuobstwiese als Aktion des NHP entstehen.

"Naturfreunde können hier durch einen finanziellen Beitrag Obstbaumpatenschaften übernehmen", erklärte Holger Hansing. Absicht ist, mit der Anlage für den Erhalt von Sortenvielfalt zu sorgen. Außerdem möchte man seltenen Tieren und Pflanzen auf einer Streuobstwiese Schutz bieten.

Die Bezeichnung "Löwenburg" des Hölkemeyerschen Bauernhofs erklärte Karl-Heinz Könemann: "Dort lebte ein Landwirt, der im Laufe seines Lebens immer kräftiger wurde und daher von den Möllbergern den Beinamen Löwe bekam."

Seitlich des Wegs zur Sandgrube Rüter betrachteten die Naturfreunde mehrere Ameisenbaue, errichtet von der Roten Waldameise. Dass Ameisen immer seltener werden, war den meisten Wanderern bekannt. "Die Versauerung des Bodens ist für die Pilze, mit denen die Ameisen in Symbiose leben, tödlich", nannte Holger Hansing den Grund.

In der Sandgrube Rüter erläuterte Könemann die Entstehung der etwa 90 Meter mächtigen Sand- und Kiesablagerungen. Ausnahmsweise sind sie hier in der Holzhauser Mark nicht in Flussnähe zu finden. "In der Mittleren Eiszeit (Saale-Eiszeit, die 90 000 Jahre dauerte) entstand zwischen dem Weser-und Wiehengebirge, dem Ravensberger Hügelland und den lippischen Keuperhügeln ein riesiger See. Ein Gletscher versperrte die Porta Westfalica, sodass die Weser aufgestaut wurde. Viel Kies und Sand lagerten sich damals in der jetzigen Holzhauser Mark ab."

Als der eiszeitliche See dann abschmolz, hätte das tiefe Erosionsrinnen zur Folge gehabt, wie etwa den Hausberger Kirchsiek. Ferner stellte Peter Könemann die natürliche Entwicklung innerhalb der Sandgrube vor. Er verwies auf die Besiedlungsstadien durch Pflanzen vom vegetationslosen Rohboden bis hin zum üppigen Eichenwald.

Karl-Heinz Könemann berichtete: "Im 17. Jahrhundert stritt ein Möllberger Gutsbesitzer 80 Jahre lang um das Recht, seine Schweine zur Eichelmast in die Holzhauser Mark treiben zu dürfen." So zahlreich sei damals dort der Eichenbestand gewesen.

Mit einem außergewöhnlichen Schauobjekt rundete Könemann den Spaziergang ab: Er zeigte ein mehr als 100-jähriges Labyrinth aus gegrabenen Gängen und Löchern. In diesem Labyrinth leben eine Dachsfamilie, eine Fuchsfamilie und eine Kaninchenfamilie zusammen. "Das ist möglich, weil die Raubtiere Fuchs und Dachs nicht in unmittelbarer Nähe ihrer Baue jagen".

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Dokument erstellt am 03.09.2010 um 01:25:07 Uhr

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