20.05.2009
Mit da Vinci auf Verbrecherjagd
Kinderbuchautor liest für dritte Klassen der Grundschule / Kinder dürfen Schriftsteller ausfragen
VON NINA KÖNEMANN
Vlotho (va). Was hat Leonardo da Vinci gemacht, als er zehn Jahre alt war? Wenn man Alfred Bekkers Kinderbüchern Glauben schenkt, hat der Künstler spannende Kriminalfälle gelöst. 80 Kinder der Grundschule Vlotho durften den Autor der Romane gestern eine Stunde lang mit Fragen löchern.
Großes Interesse: Die Drittklässler sind begeistert, ihre Fragen an den Autor richten zu können. VA-Fotos: Nina Könemann
Es herrscht Stille im Veranstaltungsraum der Kulturfabrik. 80 Drittklässler lauschen gespannt den Worten von Alfred Bekker, der aus einem seiner sechs Kriminalromane mit den Titeln "Da Vincis Fälle" vorliest. Gerade hat der junge Leonardo da Vinci zusammen mit seinen beiden Freunden Janna und Carlo eine tote Eidechse gefunden, die ihn auf eine neue Spur in einem rätselhaften Fall gebracht hat. Sollte er die Eidechse sezieren? Immerhin fängt sie schon an zu riechen . . .
Alfred Bekker zeigt noch einmal das Buch, aus dem er vorher gelesen hat.
Alfred Bekker liest mit ruhiger Stimme und baut langsam Spannung auf. Im Veranstaltungsraum raschelt es - Kinder baumeln mit den Füßen oder rücken zum zehnten Mal das T-Shirt zurecht. Es wird unruhiger, denn die vielen Fragen, die sich während der 20-minütigen Lesung des Autors angesammelt haben, brennen den Schülern unter den Fingern.
Dann ist es endlich so weit: Alfred Bekker klappt das Buch zu und erhebt sich. Die Fragestunde hat begonnen, und sofort schnellen 20 Hände in die Höhe. Dutzende Fragen prasseln auf den Schriftsteller ein, der sie in Ruhe und kindgerechter Sprache beantwortet. "Hießen da Vincis Freunde wirklich Carlo und Janna?" "Wie bist du auf die Geschichte gekommen?" und "Wie lange braucht man überhaupt, um ein Buch zu schreiben?" sind nur einige der vielen Dinge, die die Neugier der Drittklässler geweckt haben und mit denen Bekker jetzt gelöchert wird.
"Vier Wochen brauche ich für ein Buch", sagt der Autor. Im Saal macht sich ein Staunen breit und Bekker erklärt: "Die Recherche vor dem Schreiben kostet die meiste Zeit. Ich musste viel über Leonardo da Vinci herausfinden. Immerhin hat er vor gut 550 Jahren gelebt." Nicken im Saal. Warum er sich genau diese Zeit ausgesucht hat, will einer der Schüler wissen. "Damals wurden viele schöne Erfindungen gemacht", sagt Bekker. Deswegen findet er die Ära zwischen "Rittern und Neuzeit" besonders spannend. Jetzt kommen die weniger naheliegenden Fragen. Einige Schüler haben sich sogar richtig ins Thema eingelesen: "Hat Leonardo nicht rückwärts geschrieben?" "Ja, das stimmt", kann Bekker bestätigen und ergänzt: "Wissenschaftler vermuten, dass er Linkshänder war und deswegen von rechts nach links geschrieben hat." Wieder ein Raunen - "der weiß ja wirklich viel über da Vinci."
Die Lesung, an der die dritten Klassen teilnehmen, gehört zu einem groß angelegten Projekt der Grundschule Vlotho in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei und dem Förderverein. "Wir wollen bei den Kindern die Lust am Lesen wecken", sagt Vorsitzende Heidrun Stemmer. Deswegen würde für jeden Jahrgang eine passende Veranstaltung durchgeführt. "Die ersten und zweiten Klassen bekommen eine Führung durch die Bibliothek und können in der Kunstschule basteln", informiert Stemmer. Die vierten Klassen hatten bereits einen Lesewettbewerb durchgeführt, "der wunderbar angekommen ist".
Heidrun Stemmer hofft nun, dass auch die Lesung von Alfred Bekker bleibenden Eindruck bei den Kindern hinterlässt. "Wer jetzt keine Lust am Lesen findet, hat nachher in der Schule immer Schwierigkeiten", sagt die Vorsitzende.
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Dokument erstellt am 19.05.2009 um 22:25:18 Uhr