Malschule Pohle feiert mit zahlreichen Aktionsständen 20-jähriges Bestehen / "Welt ausblenden"
Auch Brigitte Pohle hätte als Kind nicht gedacht, dass sie je eine Malschule eröffnen würde. "Ich habe erst mit 16 oder 17 Jahren angefangen zu malen. Dann schnell aufgeholt." Aber als sie auf ihre Bewerbungen nach ihrem Design-Studium an der Gesamthochschule in Essen "wegen Überqualifikation" nur Absagen erhielt, eröffnete sie "aus purer Not" die Einrichtung mit dazugehörigem Laden.
Heute ist die 53-Jährige froh über diesen Schritt. "Ich habe die Erfahrung gemacht, wie unglaublich sinnvoll es ist, Menschen so etwas zu geben." Viele Leute mit psychischen Erkrankungen würden vom Arzt zum Malunterricht geschickt, Kinder verbesserten hier ihre Motorik, auch das Selbstbewusstsein gewinne.
"Ich sehe, wie viele Menschen im Malen Entspannung finden, die Welt kann dabei ausgeblendet werden", hat Peter Pohle die Erfahrung gemacht, die ihm selbst auch mehr Sicherheit für seine Arbeit lieferte. Denn seine Eltern hatten ihm eigentlich vom Künstlerberuf abgeraten. "Aber ich wollte das immer machen."
Auch in seinen Schülern entdeckt der Diplom-Designer sehr viel künstlerisches Potential. Das konnten die zahlreichen Gäste beim abwechslungsreichen Programm voll ausschöpfen. Im Garten und Haus des großen Anwesens hatte das Ehepaar viele Aktionstische aufgestellt, die zum Mitmachen einluden: Eine Manga- und Drachenwerkstatt, das Zeichnen von Mandalas oder das Malen von Ölbildern gehörten zum Beispiel dazu. Im Atelier von Peter Pohle konnten die Besucher dem Künstler beim Malen über die Schulter schauen und staunten nicht schlecht, wie schnell dieser mit scheinbar einfachen Handgriffen ein Kunstwerk entstehen ließ.
Privaträume und Ateliers geöffnet
In den Räumen der Malschule probierten die jungen und erwachsenen Gäste Aktionen mit Wachs aus. Beim "Wachshandstand" wurde eine Hand in Wachs getaucht und schließlich in den hohlen Abdruck Gips gegossen. Der Besuch konnte schließlich dreihändig nach Hause fahren - mit einer Gipshand im Gepäck. Auch für musikalische Unterhaltung hatten Brigitte und Peter Pohle gesorgt.
Die Nähe zu den Besuchern demonstrierten die Künstler auch, indem sie neben ihren Ateliers und der Malschule im Erdgeschoss auch die erste Etage mit den Privaträumen öffneten. Hier gab es neben Aktionen Fotos aus 20 Jahren Malschule sowie einen selbst gedrehten Film zum Unterricht zu sehen. Tochter Katharina Pohle (20) versorgte außerdem die kleinen Besucher mit aufgemalten Tattoos. "Für mich hatte jedes Kind eine Malschule zu Hause", erinnerte sie sich daran, dass es für sie gar nichts Besonderes war, in diesem kreativen Elternhaus aufzuwachsen. "Es war schön, dass meine Eltern immer zu Hause waren", zählt sie ein paar Vorteile auf.
Für die große Auswahl an Malzubehör ist auch der Pohlsche Laden bekannt. Neben ihm, vor dem Garagentor, versammelten sich am Samstag oft angestrengt blickende Besucher: Die Anzahl der aufgemalten Prinzessinnen wurde für eine Gewinnaktion abgefragt. Der Preis: ein Malkurs.
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