Der 19-jährige Fabian Wieneke hilft mit, Umweltbewusstsein bei Kindern aufzubauen / "Taufe" und grünes Klassenzimmer
Als Fachkraft eines Wasserschutzfonds beteiligt er sich an einem Umwelterziehungsprogramm für Kinder. "Ein derartiger Einsatz erschien mir einfach viel sinnvoller, interessanter und spannender", erklärt Fabian per Mail im VA-Interview.
Finanzielle Unterstützung bot dem engagierten Jugendlichen das staatlich geförderte Programm "weltwärts". Hier hatte er Auswahl zwischen zahlreichen Entsendeorganisationen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten. "Meine Wahl fiel letztendlich auf den Deutschen Entwicklungsdienst, weil mich der nicht-kommerzielle Charakter sowie die große Auswahl an Projekten überzeugte", erinnert sich der Vlothoer.
Nach erfolgreicher Bewerbung und Einführung in die zukünftige Arbeit konnte es losgehen. Einen Kulturschock erlitt der 19-Jährige kaum, da er bereits durch Kontakte und Reisen nach Mexiko einen Eindruck der lateinamerikanischen Lebensweise erlangt hatte. "Ich wusste mehr oder weniger, was mich erwarten würde und freute mich daher viel mehr darauf, alles noch intensiver erleben zu können."
"Atemberaubende Landschaften"
Seiner Vorfreude wurde der Kleinstaat an der Pazifikküste sogar mehr als gerecht. "Neben der atemberaubenden Landschaft und der reichen Kultur der indigenen Völker gefällt mir besonders das Verständnis von Familie." Obwohl Fabian erst seit zweieinhalb Monaten dort ist, haben ihn seine Gasteltern schon ins Herz geschlossen. Das Heimweh nach Zuhause ist dagegen eher mäßig. "Bis jetzt habe ich einmal mit meiner Familie in Deutschland telefoniert", lacht der 19-Jährige.
Die Selbstständigkeit und Souveränität, die der 19-Jährige bereits bei einem einjährigen Schüleraustausch in die USA erworben hatte, kommen ihm jetzt zugute. "Zu wissen, dass man schon einmal ein Jahr allein gelebt hat, macht vieles einfacher." Ebenso unkompliziert gestaltet sich für Fabian die Verständigung auf Spanisch. "Dank ein bisschen Spanischunterricht in den USA und dem, was meine mexikanischen Freunde mir beigebracht hatten, hatte ich einen kleinen Bonus." Während der ersten drei Wochen in Ecuador besuchte der 19-Jährige zudem eine Sprachschule, so dass seine Vorkenntnisse vertieft wurden. Als entwicklungspolitisch interessierter Freiwilliger geht es Fabian und dem projektleitenden Wasserschutzfond "Fonag" vor allem darum, Schulkindern der Klassen fünf und sechs Nachhaltigkeit bezüglich des Umgangs mit Wasser zu vermitteln. "In einigen Jahrzehnten werden die Wassermengen für die stark anwachsende Bevölkerung Quitos nicht mehr ausreichen. Deswegen ist es unser Ziel, die Kinder zum Umdenken zu bringen. Von ihrem Elternhaus kriegen sie häufig kein sonderlich ausgeprägtes Umweltbewusstsein vermittelt."Um die Kinder für Ideen von außerhalb zu sensibilisieren versucht das Team von zehn Umwelterziehern und Freiwilligen, die Schüler auf spielerische Weise zum Nachdenken und Lernen zu bringen. Es werden beispielsweise Zeltlager außerhalb Quitos angeboten oder Lehrpfade angelegt, die durch Führungen auf das Problem der Wasserverschwendung hinweisen. "Am besten gefällt mir allerdings das Projekt des mobilen Klassenzimmers", erzählt Fabian. Dabei wenden sich die Umwelterzieher und Freiwilligen direkt an die 40 Schulen des umliegenden Wassereinzugsgebiets und besuchen die Kinder in ihren Institutionen.
"Kinder leben in einzigartiger Umwelt"
"Es gibt neun Themenbereiche, die wir ansprechen. Dabei geht es neben der Geschichte der Vorfahren und gesellschaftlichen Werten natürlich um die einzigartige Umwelt, in der die Kinder leben." Am Ende der spielerischen Lernmethoden erwartet die Schüler ein besonderes Finale: Durch eine symbolische Taufe werden sie selbst zum "Wächter des Wassers". "Das ist für die Kinder nicht nur besonders aufregend, sondern überträgt auch eine Verantwortung auf sie, Wasser zu schätzen und zu schützen", erklärt Fabian.
Als Multiplikator für entwicklungspolitische Angelegenheiten trägt der 19-Jährige natürlich auch selbst eine große Verantwortung. "Man sollte sich gut überlegen, ob man einen solchen Freiwilligendienst antreten will. Man ist ja nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern repräsentiert schließlich auch das Projekt, die Organisation und Deutschland."
Seine Freizeit nutzt Fabian mit seinen Projektkollegen intensiv für Reisen, um so viel wie möglich von dem breiten Spektrum der ecuadorianischen Kultur und Landschaft kennenzulernen. "Es ist alles so spannend und beeindruckend, dass ich nicht einmal sagen kann, welcher Trip mir am besten gefallen hat. Außerdem habe ich ja auch noch längst nicht alles gesehen. Aber dafür ist ein Jahr wahrscheinlich auch viel zu kurz", sagt der Vlothoer.
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