Krimi-Nacht lässt Verbrechen zu verschiedenen Epochen lebendig werden / Spannung erzeugt
Und es war diesmal wirklich eine sehr gelungene Mischung aus Vergleichbarem und Verschiedenem, was die beiden Autoren Andrea Vanoni und Nicholas Lessing mitgebracht hatten. Nach einleitendem Klavierspiel von Marina Romanov, die auch später in der Pause und am Ende der Veranstaltung das Publikum mit bekannten Melodien unterhielt, begann Andrea Vanoni zunächst mit Ausschnitten aus ihrem zweiten umfangreichen Roman "Im Herzen rein".
Aus der Perspektive des "Jägers" lässt sie die Leser miterleben, wie eine junge Frau scheinbar zufällig einen Mann kennen lernt und arglos in sein Auto steigt. Durchaus vergleichbar beginnt auch der zweite ebenfalls recht umfangreiche Roman von Nicholas Lessing mit einem jungen Mädchen, das einem großzügigen Mann im Trubel eines Festes vertraut. Nur dass die erste Geschichte im Berlin der Gegenwart spielt, die andere aber in Rom vor 309 Jahren.
Dennoch fallen noch mehr Parallelen auf. Beide Autoren beziehen Schilderungen der Atmosphäre, das Wetter, die Stimmung der Menschen und die Lichtverhältnisse sehr gezielt mit ein, um ihre Zuhörer beziehungsweise Leser das Geschehen spürbar miterleben zu lassen. Bei Andrea Vanoni jedoch herrscht eine durch grausige Einzelheiten erzeugte, fast unerträgliche Sachlichkeit vor. Hat man erst die Schilderung einer Obduktion gehört, so wagt man sehr bald nicht mehr, sich zu entspannen. Besonders in den Abschnitten aus dem Roman "Seelenruhig", wo man anfänglich ein paar glückliche Tage der Hauptfigur Kriminalkommissarin Paula Zeisberg miterlebt, die jedoch immer in einer düsteren Grundstimmung befangen bleiben, schlägt dann das Böse umso grausamer zu in Gestalt einer geschändeten Frauenleiche auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.
Eine doppelte Spurensuche beginnt
Ganz anders wird man von Nicholas Lessing in seinen zweiten Roman "...und steh auf von den Toten" hineingezogen. Die Hauptfigur Prospero Lambertini, ein Auditor, der später Kardinal und sogar Papst wurde, gab es wirklich; ebenso das Rom vor 300 Jahren. Es beginnt eine doppelte Spurensuche, nach dem Denken, Fühlen und Handeln unserer eigenen abendländischen Vorfahren, sowie nach den Verbrechern in der erzählten Geschichte.
Dadurch ist von vornherein die Spannung nicht nur beklemmend, sondern auch sehr mitreißend. Dazu trägt die oft fast handgreifliche Schilderung der Orte und Geräusche wie auch der Kleidung und Bewegung der Menschen, der Farben und Gerüche sehr viel bei. Andrea Vanonis nächster Roman "Unschuldig" mit derselben ermittelnden Hauptkommissarin wird Ende dieses Jahres erscheinen. Auch Nicholas Lessing wird seinen scharfsinnigen Kardinal weiter ermitteln lassen. Die große Gemeinde der Krimileser wird sich darüber ebenso freuen wie die weniger große Zuhörerschaft in der Kulturfabrik.
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