Über 40 Helfer schneiden mächtige Hecke in Steinbründorf zurück / Nahrung und Nistplätze werden geschaffen
Seit über 20 Jahren war diese Hecke aus Schwarzdorn, Weißdorn, Esche und Erle neben einem kleinen Bachlauf mächtig in die Höhe geschossen. Unterholz gab es kaum noch, richtige Bäume hatten sich in dem Gewirr wild wachsender Zweige gebildet.
Die wild wachsenden Zweige der Hecke wurden gezähmt. Bild rechts: Friedich Südmersen (r.) von der Löschgruppe Steinbründorf fasste fest mit zu.
"Die Hecke ist total vergreist", urteilte Hans-Werner Schäfer vom Hegering. Dem machte das Vlothoer Forum Natur ein Ende. "Die Hecke wird auf den Stock geschnitten, damit sie von unten her wieder dicht wird und Kleintieren Nistplätze und Nahrung bieten kann", so der Forum-Sprecher Dr. Eckhard Neddermann.
In besonderem Maß ging es den Naturschützern diesmal darum, den in Heckennähe gesichteten Schnepfen mit einem Biotop einen idealen Lebensraum zu schaffen. "Vlothoer Forum Natur auf dem Schnepfenstrich" hatten die Naturschützer den Aktionstag überschrieben. "Schnepfenstrich nennen die Naturkundler das Vorbeistreichen männlicher Schnepfen an einer Hecke, um bei ihrem Suchflug im Gehölz weibliche Vögel auf sich aufmerksam zu machen", erklärte Dr. Eckhard Neddermann den Begriff aus der Balzzeit. Schnepfen seien etwa so groß wie Tauben und ungefähr 300 Gramm schwer, beschrieb Gerhard Vinkemeier vom Bund Natur- und Umweltschutz Deutschland (BUND) die gefiederten Freunde. Weil sie einen auffällig langen Schnabel haben, nenne man sie "die Vögel mit dem langen Gesicht". Schnepfen tragen ein geschecktes braun-grau gesprenkeltes Gefieder und verfügen damit über die absolute Tarnfarbe.
Während des Fliegens sind sie an ihrem auffälligen Zickzack-Flug zu erkennen. Sie sind in der Warnliste seltener Vögel aufgeführt. Schnepfen seien Zugvögel und überwintern in Südeuropa, nur die Lagerschnepfen bleiben üblicherweise in der kalten Jahreszeit in unseren Breiten. "Diesmal sind allerdings bei der großen und lange anhaltenden Kälte auch die Lagerschnepfen in den Süden geflogen", ergänzte der örtliche BUND-Chef. Als Refugium für die Tierwelt und auch als Nahrungsquelle sei eine intakte Hecke unersetzlich, bekräftigte Gerhard Vinkemeier die Notwendigkeit von Heckenpflege. Allerdings sei eine Hecke längst nicht nur Zufluchtsort: "75 Arten von Schmetterlingen finden in einer Schwarz- und Weißdornhecke ihre Nahrung."
Der Interessengemeinschaft Forum Natur gehören die heimischen Jäger, Landwirte, Vogelkundler, Angler und Naturschützer an. Seit Jahren führen die Forum-Mitglieder mindestens einmal jährlich eine umfangreiche Aktion zugunsten von Natur- und Umwelt durch. Diesmal widmeten sie sich der Hecke auf dem Anwesen von Ursula Schmitz, Lemgoer Straße 86. Unterstützt wurde die Biotoppflege von der Löschgruppe Steinbründorf und der Biologiestation Kirchlengern, die bereits am Freitag wichtige Vorarbeiten leisteten. Die Eigentümerin des Geländes, Ursula Schmitz, sorgte dafür, dass die fleißigen Arbeiter während der fünfstündigen Aktion mit heißen Getränken und mittags mit einer kräftigen Suppe versorgt wurden.
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