12.03.2010
"Braune Gefahr" ist nicht gebannt
Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus in Vlotho zieht Bilanz / Aktive Szene in OWL
VON MICHAELA BERBALK
Vlotho (va). "Wir müssen wachsam bleiben. Auch wenn das Collegium Humanum hier in Vlotho verboten worden ist, besteht die braune Gefahr in Ostwestfalen-Lippe weiter", sagt Rouven Schäfer vom AKE.
Aufmärsche von Rechtsradikalen, wie in Minden vor drei Jahren, erfordern Polizeieinsätze. VA-Fotos: Berbalk, Archiv
Seit Oktober 2008 fungiert das Vlothoer Bildungswerk als Träger eines regionalen Beratungsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold. Mitarbeiter Rouven Schäfer informierte am Mittwoch über seine Arbeit. Zu Gast im AKE waren Ute Koczy (MdB Bündnis 90/Die Grünen), Vertreter der Grünen Liste Vlotho (GLV) sowie Mitglieder des Vlothoer Bündnisses gegen das Collegium Humanum und vom AKE.
Sie fordern "No-Go-Areas" für Nazis (von links): Gerhart Schöll (AKE, Vlothoer Bündnis gegen das CH), Frank Wittemeier (AKE), Irmgard Pehle (AKE und Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Herford), Ute Koczy (grüne MdB) und ihre Mitarbeiterin Petra Walter-Bußmann.
Mit Sorge blicken Rouven Schäfer und Ute Koczy nach Höxter, wo die "Freie Kameradschaft" aktiv ist. "Die lassen sich mit dem Collegium nicht vergleichen. Das ist eine Gruppe von rund 25 Personen, die 18 bis 30 Jahre alt sind. Sie organisieren Aufmärsche, verteilen Flugblätter in Schulen und versuchen, Jugendliche zu gewinnen", so Rouven Schäfer. Gleichwohl speisen sie sich aus der gleichen rechten Ideologie, die das CH verbreitet hatte, ergänzte Koczy.
Die Ausbreitung der Kameradschaft bis in den Kreis Herford hinein hat das AKE bislang noch nicht beobachtet. Dennoch gebe es im benachbarten Kreis Minden-Lübbecke immer wieder Aufmärsche aus der rechten Szene. Die rechte Partei "Pro NRW" habe zudem in Minden zu Wahlkampftreffen aufgerufen. "Es wird versucht, die Bürger mit populären Themen zu locken, wie der Islamkritik", erläuterte Ute Koczy, die die Landtagswahl im Blick hat. Es müsse verhindert werden, dass rechte Parteien an Boden gewinnen.
Das machte auch Bianca Arnold (GLV) deutlich und forderte ebenfalls eine wache Bürgerschaft. Sie erinnerte an den vergangenen Kommunalwahlkampf in Herford, wo die Verbindung eines Mitgliedes der "Liste 2004" zu "Pro NRW" öffentlich gemacht wurde. Sie finde es sehr wichtig, Aufklärungsarbeit in den Schulen zu betreiben. Besonders über die Musik - Rechts-Rock - würden junge Menschen beeinflusst. Und: Die ehemalige CH-Vorsitzende Ursula Haverbeck trete nach wie vor öffentlich auf, zum Beispiel bei der Frankfurter Buchmesse. Rouven Schäfer hat bei der Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus eine halbe Stelle - eigentlich zu wenig, meinte er. Gleichwohl begrüßten alle Gäste, dass es diese Einrichtung gebe. "Auf Bundesebene schwächeln wir im Kampf gegen Rechts. Wir müssen einfach mehr tun. Auch auf Landesebene", betonte Ute Koczy.
Rouven Schäfer sah die Situation in OWL aber nicht schwarz. Es gebe viele Bestrebungen gegen Rechts, wie die Verlegung von Stolpersteinen, die Einrichtung von Gedenkstätten und die Schaffung von Bündnissen wie in Vlotho. "Oftmals fehlt es an der Vernetzung", fasste er seine Tätigkeit zusammen.
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Dokument erstellt am 11.03.2010 um 22:25:06 Uhr
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