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21.01.2011
Kalikonzern-Gutachten in der Kritik
K&S spricht von "positiven Trends" bei Weserversalzung / Anrainerkonferenz: "Fluss artenarm"
VON OLIVER PLÖGER

Vlotho (va). Während die Firma Kali & Salz von "positiven Trends" spricht, wenn es um die Gewässerqualität der Werra geht, kommt von der Werra-Weser-Anrainerkonferenz scharfe Kritik.

Von Kali & Salz beauftragte Experten befischen bei Bad Sooden-Allendorf einen Flachwasserbereich der Werra, um Informationen zum Vorkommen und Gesundheitszustand von Jungfischen zu bekommen. Fotos: pr

Das Thema hat die Stadt Vlotho mehrfach beschäftigt, die Politik - zuletzt die Grüne Liste Vlotho - hatte sich gegen eine geplante zusätzliche Salzeinleitung gewehrt. Die Werra ist bekanntlich der östliche Hauptquellfluss der Weser.

Weiter in der Kritik: Die K&S in Hessen.

Das Uslaer Fachbüro Ecoring habe in Zusammenarbeit mit dem öffentlich bestellten Fischereisachverständigen Jürgen Rommelmann die im Sommer und Herbst 2010 durchgeführten Jungfischuntersuchungen in der Werra ausgewertet, heißt es von Kali & Salz.

Und weiter: Im Vergleich zu früheren Untersuchungen sei eine nachhaltige Verbesserung der ökologischen Bedingungen nachgewiesen worden, die sich auch in Artenzahl und Populationsgröße der Fischfauna ausdrücke. "Auch wenn Auswirkungen der Salzwassereinleitungen zu erkennen sind, so ist doch der Nachweis, dass einzelne Arten sich wieder selbstständig vermehren können, eine Bestätigung des positiven Trends", teilt Pressesprecher Ulrich Göbel mit.

"Gutachten werden stets vermarktet"

Anders Dr. Walter Hölzel, Stadtrat von Witzenhausen und Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz: "In regelmäßigen Abständen können wir beobachten, wie der Düngemittelhersteller die von ihm beauftragten Gutachten vermarktet. Der Trend ist immer der gleiche: Seit Jahren wird angeblich alles besser in der Werra. Die Gutachten selbst belegen das nicht."

Auf der gesamten Fließstrecke - so heißt es wiederum aus der Pressestelle von K&S - zwischen Dankmarshausen und Unterrieden seien Jungfische nachgewiesen worden, die insgesamt mindestens neun verschiedenen Arten zuzurechnen waren, unter ihnen Döbel, Hasel und Barbe. Fitnessgrad und Ernährungszustand der Fische seien überwiegend als gut zu bezeichnen. "Insbesondere konnte kein Zusammenhang zwischen vorhandenen Krankheiten und der Salzkonzentration abgeleitet werden", so Göbel.

Dem entgegnet Dr. Walter Hölzel: "Wenn die Gutachter lediglich neun Fischarten gefunden haben, dann muss man feststellen, dass der Fluss extrem artenarm ist. Zudem handelt es sich um anspruchslose Arten, von denen einige sich sogar im Brackwasser wohl fühlen." Daraus könne nicht abgeleitet werden, dass sich der ökologische Zustand der Werra verbessert habe. Im Gegenteil: die Werra sei immer noch in die schlechteste Qualitätsstufe einzuordnen, die die EG-Wasserrahmenrichtlinie kenne. "Daran hat sich nichts geändert, seit die Kaliindustrie der DDR eine extrem hohe Versalzung der Werra verursacht hat. Die millionenschwere Förderung der Kali-Industrie für die Entsalzung der Werra scheint bislang wirkungslos geblieben zu sein."

Nach wie vor plant die Firma Kali & Salz den Bau einer Abwasserpipeline von Neudorf nach Philippsthal. Dort sollen Deponie-Abwässer aus der Kaliproduktion eingeleitet werden. Bei den Weser-Anrainer sorgte das für Befremden.

Das drückte unlängst August-Wilhelm König aus, Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste Vlotho: Gerade habe sich die Weser erholt. "Und jetzt kommt eine westdeutsche Firma und macht alles wieder kaputt." Das Unternehmen versuche, die Salzfracht billig in die Weser zu entsorgen und gefährde Pflanzen und Tiere sowohl im Flusswasser als auch an den Ufern, so König.

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Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 20.01.2011 um 22:25:10 Uhr

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