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22.01.2011
Vlothos Flutgeschichten flachen niemals ab
Archivakten 1946 in Mitleidenschaft gezogen / Jahrhundertereignis 1995 / Zerstörte das Wasser auch die Wasserburg?
VON OLIVER PLÖGER

Vlotho (va). Noch hat die Weser das Vlothoer Land zu einer Seenplatte gemacht - die Tendenz des aktuellen Hochwassers ist aber weiter fallend. Statt 6,50 Meter wie in der Vorwoche lag der Pegelstand gestern bei 5,82 Meter, normal sind laut Wasser- und Schifffahrtsamt 1,97 Meter.

Hier geht es nur noch per "Huckepack" weiter: Hochwasser im Mai 1931. Und heute? Am Ufer können die Enten komfortabel gefüttert werden.

Die Weser kommt und geht - fest steht aber, dass wir in den vergangenen Tagen durchaus historische Werte erlebt haben, wie nicht zuletzt die Hochwassermarken an den Vlothoer Bahnunterführungen zeigen. Am 12. März 1876 lag der Fluss bei 6,60 Meter, am 10. März 1881 und am 7. Mai 1898 bei jeweils 7,90 Meter.

Viele VA-Leser dürften sich noch an das Hochwasser 1995 erinnern: Die Löschgruppe Uffeln rückte zur ehemaligen Schiffswerft Rasche aus. Dort spülte das Wasser in die Maschinenhallen der Kunststoff-Firma, die Wehrleute unter Leitung von Norbert Scheidle waren im pumpenden Dauereinsatz. Sandsäcke bewahrten derweil die Schilderfabrik Sellmann oder das Rathaus vor den Wassermassen. Letzteres ist wegen des tief liegenden Kellers stets ein Knackpunkt.

Die Badeanstalt wurde 1943 geflutet. Rechts das Hochwasser im Mai 1931. Der Fußballplatz ist nur noch zu erahnen. Fotos: Archiv Schölzel / VA-Foto: Plöger

Übrigens auch schon das alte Rathaus. Am 10. Februar 1946 erreichte das Hochwasser in Vlotho satte acht Meter. Das einstige Vlothoer Wochenblatt ist in jenem Jahr noch nicht wieder erschienen, deshalb fehlen konkrete Presseberichte. Bekannt aber ist, dass ein Teil der Archivbestände im Rathaus-Keller unter Wasser stand.

Weitere Vlothoer wissen noch vom Hochwasser 1943 - an jenem 17. Mai wurde um 1.50 Uhr die Sperrmauer der Edertalsperre durch eine englische Fliegerbombe zerstört. Mit unvorstellbarer Wucht schossen 170 Millionen Kubik ins Tal und: Drei Tage später erreichte die Flutwelle Vlotho. Erneut kletterte der Pegel auf über sechs Meter, die Weser riss den größten Teil der Badeanstalt auf dem Werder mit sich.

Engpass für die Fähre am 3. Januar 1919. Dieses Bild stammt aus dem Archiv von Jürgen Finkhäuser.

Während sich die Schäden in der übrigen Stadt in Grenzen hielten, sah das Weserhochwasser 1841 schon anders aus. Dr. Karl Großmann zitiert in seiner "Geschichte der Stadt Vlotho" einen Augenzeugenbericht: "Nach Aufbruch des krachenden Eises und des hinzugekommenen Tauwetters von drei Grad Wärme und Regens in der Nacht zum 19. Januar 1841 schwoll die Weser so schnell an, dass dieselbe sich am anderen Morgen fast 25 Fuß über den gewöhnlichen Wasserstand erhob. Alle Keller und die unteren Zimmer der niedrig gelegenen Häuser an der Weserseite wurden plötzlich vom Wasser überschwemmt. Die Bewohner mussten noch in der Nacht alle ihre Mobilien in höchster Eile in Sicherheit bringen und konnten nur noch mit hohen Leitern aus ihrer Gefangenschaft durch die Fenster in die Rettungskähne gelangen. Auf der unteren Langen Straße erreichte das Wasser eine Höhe von 1,20 Meter."

1342 war ein Katastrophenjahr


Konkrete Berichte früherer Hochwasser in Vlotho gibt es nur wenige. Der Wasserbau-Ingenieur Detlef Sönnichsen erinnert aber daran, dass es "seit Menschengedenken" Hochwasser gegeben hat, allen voran das Magdalenen-Hochwasser im Juli 1342, das ganz Mitteleuropa verwüstete und in vielen Annalen überliefert ist. Auch Vlotho dürfte davon betroffen gewesen sein, mit Sicherheit die damals noch existierende Wasserburg Schune, die wohl im Mündungsbereich des Forellenbachs lag. Belegt ist, dass die Burg sechs Jahre später zur Hälfte an den Ritter Friedrich de Wendt verpachtet wurde. Großmann schreibt: "Lange haben die Herren de Wendt die Burg nicht behalten. Sie war wohl zu baufällig und hätte zur Instandsetzung zu viel gekostet." Und immer wieder die Hochwasser?


Marksteine in Vlotho weisen noch nicht auf die Magdalenen-Flut hin, die nach dem St. Magdalenentag (22. Juni) benannt wurde, aber auf andere Hochwasser. Dazu Detlef Sönnichsen: "Mit Hochwassermarken wurde nicht nur der Zweck verfolgt, an vergangene Katastrophen zu erinnern, sondern sie mahnten den Betrachter auch zur Gottesfurcht, denn lange Zeit galten Naturereignisse als eine Art Gottesgericht, als Sintflut, als Gottesfügung oder unvermeidlicher Schicksalsschlag." Wie unvermeidlich diese Schicksalsschläge sind, ist weiterhin die große Frage. Denn der Mensch hat den Verlauf der Flüsse verändert und die Flächen versiegelt.

Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2014
Dokument erstellt am 21.01.2011 um 22:25:17 Uhr
Letzte Änderung am 22.01.2011 um 18:30:22 Uhr
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