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25.05.2011
"Streckenausbau macht Vlothoer Pläne zunichte"
Fraktionen wenden sich geschlossen gegen Eisenbahn-Vorhaben der Bundesregierung / Auswirkungen auch auf Tourismus und Bahnhof-Ausbau
VON OLIVER PLÖGER

Vlotho (va). Geschlossen wenden sich die Fraktionen im Vlothoer Stadtrat gegen den vom Bund geplanten Ausbau der Eisenbahnstrecke Löhne, Braunschweig, Wolfsburg. Die Vlothoer Politiker fordern zudem die Gründung einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft.

Mehr Güter, mehr Lärm - eine neue Arbeitsgemeinschaft, angeregt von den Fraktionen im Vlothoer Rat, soll sich gegen die Ausbaupläne der Bundesregierung wenden. Foto: dpa

Unterzeichnet wurde diese Forderung jetzt von den Fraktionsvorsitzenden Christian Dahm (SPD), Heinz-Friedrich Wattenberg (CDU), August-Wilhelm König (GLV), Ulrich Ammon (FDP) sowie von Merle Stemmer und Heinz-Egon Röben für die Vlothoer Linken.

Der Arbeitsgemeinschaft sollen Vertreter der Verwaltungen und der in den jeweiligen Räten von Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho vertretenen Fraktionen angehören. Auftrag der Arbeitsgemeinschaft sei es, noch vor den weiteren Beratungen zum Bundesverkehrswegeplan 2015 offensiv die Argumente gegen einen möglichen Ausbau der Strecke (offiziell tituliert als "Planfall 33") gegenüber allen verantwortlichen Beteiligten und Institutionen vorzubringen. Hierzu gehören laut vorliegendem Antrag unter anderem die Vorbereitung und Abstimmung aller notwendigen Aufgaben, Gespräche, planungsrechtlicher und sonstiger Schritte sowie die bundesländerübergreifende Vernetzung der betroffenen Kommunen entlang der betroffenen Ausbaustrecke. Der Rat, so heißt es weiter, sei über die "Art und Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaft" regelmäßig zu informieren. "Eine Realisierung des Planfalls 33 legt die Grundlage für einen 24-stündigen Güterverkehr mit erheblichen und wachsenden Ausmaßen quer durch den Kurort Bad Oeynhausen sowie die Städte Löhne und Vlotho", heißt es unisono von den Vlothoer Fraktionen. Und: "Die dadurch ausgelöste Verlärmung im Trassenbereich führt zur erheblichen Betroffenheit und stellt rechtlich, städtebaulich wie finanziell die Umsetzung einer solchen Maßnahme mehr als in Frage." Vor diesem Hintergrund könne das Ergebnis der vom Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Ende 2010 vorgelegten Überprüfung des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege nicht nachvollzogen werden. Auch Vlotho fordert - wie andere Anrainer auch - eine Überprüfung der Pläne.

"Ein Ausbau der Bahnstrecke würde unmittelbare Auswirkungen auf den touristischen Bereich der Stadt Vlotho haben", betont SPD-Fraktionsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Christian Dahm, der ausdrücklich im Auftrag aller Vlothoer Fraktionen spricht.

Die Stadt verzeichne jährlich 40 000 Übernachtungsgäste, größtenteils aus dem Camping- und Touristikbereich. Gerade der sei für die Stadt Vlotho ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Insbesondere den Campingplätzen im Bereich Borlefzen mit ihren deutlich mehr als 1000 Stellplätzen würde die existenzielle Grundlage entzogen werden. "Auch die städtischen Bemühungen zur Wiederbelebung des ehemaligen Bahnhofsgeländes mit dem Empfangsgebäude würden durch die vorgesehene Nutzung zunichtegemacht", erklärte Dahm. Bei einer derartig hohen Frequenz an Güterzügen würde weder eine Wohn- oder Büro- noch eine gastronomische Nutzung zu etablieren sein. Auch für den Bereich Handel und Dienstleistungen würden die Grundstücke uninteressant.

Dahm weiter: "Im Zuge des demografischen Wandels befindet sich die Stadt Vlotho in einem intensiven Wettbewerb mit anderen Kommunen im Bezug auf die Attraktivität als Wohnstandort. Das geplante Bahnprojekt würde aufgrund der sich ergebenden deutlichen Mehrbelastungen zu erheblichen Nachteilen führen."

Außerdem seien die zu erwartenden Lärmbelastungen für die Anlieger und auch die sich im Umfeld arbeitenden Bildungsstätten nicht akzeptabel. Der Bildungsstandort Vlotho sei für die Stadt wiederum von zentraler Bedeutung.

Darüber hinaus habe die Stadt Vlotho den Lückenschluss des Weser-Radweges im Auftrag des Landes NRW vorgenommen und hier Investitionen von 1.3 Millionen Euro vorgenommen. Diese Radwege-Maßnahme müsste zurückgebaut werden, ein Projekt, das erst kürzlich mit Landesmitteln realisiert worden war.

"Tunnel könnte für Abhilfe sorgen"

Nicht zu unterschätzen seien auch die Auswirkungen auf den Straßenverkehr auf der Bundesstraße 514. Bei der zu berücksichtigenden Zugfrequenz am Bahnübergang würde die Straße wegen des sehr hohen Verkehrsaufkommens ihre Funktion auch als Umleitungsstrecke für die A2 nicht mehr erfüllen können.

Ferner befinden sich zwei Bahnschranken an der B 514, die dann überwiegend geschlossen wären. "Hier könnte nur ein Straßentunnel mit einer Länge von etwa 800 Meter für Abhilfe schaffen", so Christian Dahm.

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Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 24.05.2011 um 22:45:58 Uhr


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