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27.09.2011
"Gedächtnisstätte" tagt im Herrenhaus
VA-Artikel beschäftigt Thüringer Landtag / Rechter Verein nutzt historische Immobilie / Haverbeck-Wetzel referiert
VON OLIVER PLÖGER

Vlotho (va). Informationen aus einem Beitrag des Vlothoer Anzeigers dürften in Kürze den Thüringer Landtag beschäftigen. Nicht bekannt war der Ankauf des Herrenhauses des Ritterguts Guthmannshausen durch den Verein "Gedächtnisstätte e.V.". Der Verein war durch sein Auftreten in Borna, aber auch durch die Kontakte zum Vlothoer "Collegium Humanum" mehrfach in die Schlagzeilen geraten.

Aufmerksam geworden durch einen Beitrag im Vlothoer Anzeiger: Martina Renner, innenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag. Foto: pr

"Uns war neu, dass der Verein Gedächtnisstätte die Immobilie in Guthmannshausen nutzt", erklärte Martina Renner, innenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag. Sie hätte sich gewünscht, dass die Immobilienverwaltung genauer hingeschaut hätte. Bekannt sei ihr lediglich, dass der Herrensitz auf dem ehemaligen Rittergut für insgesamt 320 000 Euro "an eine Frau aus Hessen" gegangen sei. Auch an den Sicherheitsbehörden sei der Verkauf offenbar "vollkommen vorbeigegangen", so Martina Renner, und: "Dass der Verein Gedächtnisstätte und die Schlesische Jugend auf der Suche nach einer neuen Immobilie waren, hätte eigentlich den Zuständigen bekannt sein können."

In Borna sei die "Gedächtnisstätte" 2010 durch öffentlichen Druck zum Aufgeben gezwungen worden. Die Schlesische Jugend sei nach dem Bekanntwerden von rechtsextremen Verbindungen aus dem Bildungszentrum in Kleinschmalkalden verwiesen worden. "Nach Schützenhaus, Braunem Haus, romantischem Fachwerkhof, Bürohaus Europa kommt womöglich eine neue Immobilie hinzu, die von Rechtsextremen genutzt wird", befürchtet Martina Renner, und: "Der Verein Gedächtnisstätte Borna wie das verbotene Collegium Humanum stellen wichtige Schnittstellen der jungen Neonaziszene mit Altnazis, insbesondere notorischen Holocaustleugnern, dar."

Dass das Thüringer Liegenschaftsmanagement mit dem Verkauf der Immobilie betraut war, bestätigte ein Sprecher, verwies aber für weitere Informationen an das Finanzministerium. Dort wurde der Fall nach der VA-Anfrage gestern geprüft. Am Abend dann die Information von Pressesprecherin Juliane Riehm: "Trotz der großen Sorgfalt ist offensichtlich die Liegenschaft in Guthmannshausen, Hauptstraße 2, an einen Käufer veräußert worden, der die Liegenschaft rechtsgerichteten Kreisen zur Verfügung stellt." Der Käufer habe als künftige Nutzung ein Bildungs-, Kultur- und Tagungszentrum angegeben. Juliane Riehm: "Es gab im Vorfeld des Verkaufs ein Gespräch mit dem Kaufinteressenten. Es gab keine Anhaltspunkte für einen rechtsextremen Hintergrund." Eine Überprüfung im Finanzministerium habe keine Erkenntnisse erbracht, "wonach den Mitarbeitern des Landesbetriebes während des Verkaufsvorgangs Fehler unterlaufen sind."

An seine Mitglieder hatte der 1992 in Vlotho gegründete Verein "Gedächtnisstätte e.V." ein Schreiben versandt, in dem auf das ehemalige Rittergut eingeladen wird. Zu den dort Vortragenden sollte auch Ursula Haverbeck-Wetzel gehören, Ex-Vorsitzende des 2008 verbotenen Vereins "Collegium Humanum" und auch Gründungsmitglied der "Gedächtnisstätte". Ihr Thema beim Vortragswochenende am 17. September: "Das Bundesverfassungsgericht vor schwerwiegenden Entscheidungen - die Vertragsbrüche der Bundesregierung."
Bereits seit August unter Dach und Fach

Der Verkauf der Immobilie ist laut Datierung des dem VA vorliegenden Einladungsschreibens im August über die Bühne gegangen. "Heute kann ich Ihnen endlich mitteilen, dass wir für den Verein eine neue Heimstatt gefunden haben, die allen Ansprüchen und zukünftigen Aktivitäten unseres Vereins gerecht wird", schreibt Vorsitzender Wolfram Schiedewitz an die Vereinsmitglieder, Spender und Freunde. Und: "Dies konnte nur erfolgen, weil wir durch Sie und Ihre großzügige Spende dazu in die Lage versetzt wurden." Die Geduld des Vorstands sei auf eine harte Probe gestellt worden. "Aber unser Ziel ist klar, wir wollen unseren Herrensitz auf dem ehemaligen Rittergut Guthmannshausen mit Leben füllen im Gedenken an unsere zivilen Opfer des zweiten Weltkrieges durch Bomben, Verschleppung, Vertreibung und in Gefangenenlagern." Dazu gehöre die Aufarbeitung der "geschichtlichen Wahrheit" und, so wörtlich, "die Wiederbelebung unserer ureigenen Wertvorstellungen."

In der Einladung spricht Schiedewitz von der "unverantwortlichen Überfremdung der Völker Europas" und die "Erneuerung unseres Vaterlandes auf der Grundlage des geltenden Völkerrechts."

Bereits eingeladen wird auch zu einem weiteren Treffen des Vereins im Oktober. Dazu heißt es: "Die Grundlage ist geschafft, jetzt geht es an die weitere Ausgestaltung, sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich." Martina Renner geht davon aus, dass die Immobilie jetzt eine erhebliche und auch überregionale Bedeutung haben wird: "Hoffentlich gibt es noch eine Reißleine. Das Land hat den Kommunen in einer Broschüre empfohlen, bei Immobilienverkäufen Klauseln für den Fall der Rückübertragung einzufügen." Interessant wäre nun, ob es sich selbst daran gehalten hat.
Auf verschiedenen Immobilienseiten im Internet wurde und wird der Herrensitz zum Verkauf angeboten. Screenshot: va


An seine Mitglieder, Freunde und Förderer hatte der Verein Gedächtnisstätte die Einladung verschickt. Im Text wird auf die neue "Heimstatt" verwiesen. Ein erstes Treffen dort hat offenbar bereits stattgefunden. VA-Foto: Oliver Plöger

Einzelheiten des aktuellen Falls waren gestern bei der Vlothoer Rechtsextremismus-Beratungsstelle im Bildungswerk AKE nicht bekannt. Der Leiter Carsten Wilke geht aber davon aus, dass das Gebäude von einer "Strohfrau" oder einem "Strohmann" gekauft wurde. Das sei in der Szene so üblich.

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Dokument erstellt am 26.09.2011 um 22:25:37 Uhr


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