Donnerstag, 17.05.2012
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27.01.2012
Vlothoer erhält Abzocke-Brief von Gewerbeauskunft
Düsseldorfer Firma wirbt weiterhin Gewerbetreibende in Ostwestfalen mit Adresseintrag im Internet / Bis zu 1000 Euro Kosten entstehen
VON MARTINA VOGT

Vlotho (va). "Eigentlich sah das Anschreiben ganz normal aus", sagt Karin Deppe. Die Vlothoerin und ihr Ehemann Heinz Deppe bekamen im vergangenen Jahr einen ominösen Brief per Post, der alles andere als harmlos war. Um ein Haar wäre das Paar um 1 000 Euro ärmer geworden.

Die Verbraucherzentralen in NRW und der Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität warnen vor Abzockebriefen unter anderem von der Düsseldorfer Firma GEW GmbH - Gewerbeauskunft-Zentrale. VA-Foto: O.Plöger

In großen Lettern steht auf dem Briefkopf: Gewerbeauskunft-Zentrale.de - Erfassung gewerblicher Einträge. "Als ich das las, dachte ich mir noch nichts Schlimmes", äußert sich Karin Deppe. Was sei schon dabei? Ihr Mann Heinz - heute Renter - besaß vor Jahren eine Fußbodenverlegefirma in Vlotho. Eine Gewerbeauskunft für einen ehemaligen Gewerbetreibenden? "Könnte doch sein", dachte sich Rentnerin Deppe. Ein wenig verunsichert ließ sie die Mitteilung zunächst einmal liegen.

Dass die Täter, die hinter diesen ominösen Rundschreiben stecken, mit psychologischen Mitteln arbeiten, wird sehr deutlich: Denn in dem Brief an die Deppes steht weiterhin, dass ihnen bereits im November ein Schreiben per Post zugesandt worden sei. "Genau das machte mich nervös, denn es klang wie eine Mahnung", so Deppe weiter.

Ein paar Tage darauf nahm sich Deppe den Brief noch einmal vor und dachte dann: "Füllst es einfach aus und beruhigst dein Gewissen, und dann erhältst du keine weitere Mahnung mehr." Vor genau diesem fatalen Schritt bewahrte die Rentnerin dann ihr Sohn, der die Falle sofort erkannte.

"Sobald ich es ausgefüllt und unterschrieben an die Düsseldorfer Firma zurückgeschickt hätte, wär ich mit einem Mal rund 500 Euro oder sogar 1 000 Euro los geworden," beteuert Deppe, und das für einen zweijährigen Eintrag in einem Internetregister. "Viele gehen der Betrugsmasche auf den Leim", weiß Birgit Westermann von der Verbraucherzentrale in Bielefeld. "Häufig kommen Betroffene zu uns, die von der gleichen oder einer anderen Firma derartige Schreiben mit der Bitte um Unterschrift und einer Zahlungsaufforderung erhalten haben. Viele Verbraucher fragen uns, ob sie das bezahlen sollen. Es ist irreführend." In diesem Jahr seien bereits drei Anfragen zu solchen Betrugsfällen in der Beratungsstelle Bielefeld eingegangen.

Auch in Vlotho und Minden seien solche Fälle bereits bekannt. Acht bis zehn Fälle lägen monatlich auf dem Tisch von Birgit Westermann. Die Verbraucherzentralen in Deutschland dürfen jedoch nur Privatleute beraten. Gewerbetreibende müssen sich, laut Westermann, an den deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität wenden.

Generell rät Westermann den Betroffenen: "Infos immer in Ruhe durchlesen und schauen, was sich dahinter verbirgt. Die Abzockebriefe sehen immer so aus, als wären es Rechnungen." Durch die Bezahlung könne unter Umständen schon ein Vertrag zustande kommen. Und dann sei das Geld weg. "Gegen ungewollte Faxnachrichten oder Briefsendungen sollten Verbraucher immer vorgehen", rät Westermann weiter. Auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale besteht zudem die Möglichkeit ungewollte Faxe oder Briefe zu melden.

Heute lässt Karin Deppe die Finger von ominösen Postsendungen, wo der Adressat zu einer Unterschrift auffordert. "Heute bin ich ein wenig ängstlicher und vorsichtiger", sagt sie. Die Firma, die Familie Deppe angeschrieben hat, heißt GWE GmbH - Gewerbeauskunft-Zentrale und hat ihren Sitz in Düsseldorf. Der Geschäftsführer Sebastian Cyperski war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Verfahren läuft beim Oberlandesgericht

Aktuell läuft ein wettbewerbsrechtliches Verfahren beim Oberlandesgericht in Düsseldorf. Das bestätigt Peter Solf, Rechtsanwalt und Mitglied der Geschäftsleitung des deutschen Schutzverbandes für Wirtschaftskriminalität. "Uns liegen unzählige Beschwerden von Bürgern vor", so Solf. Vorwerfen könne man der Firma zwei Dinge: "Hier werden Angebote versendet, womit Adressaten getäuscht werden. Die Abzockebriefe erwecken einen amtlichen Eindruck und die Höhe des geforderten Preises für einen Adresseintrag ist viel zu hoch."

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Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 26.01.2012 um 22:25:37 Uhr


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