28.01.2012
Vlothos vertrauensvolle Partnerschaft
Bürgermeister erinnert an besondere Beziehung zu Lubsko / Schulen, Vereine und Feuerwehr eng verbandelt
VON OLIVER PLÖGER
Vlotho (va). Willkommen im Freundschaftsjahr, willkommen in der Partnerschaft Vlotho-Lubsko, willkommen beim Jahresempfang des Bürgermeisters. Die Veranstaltung mit über 400 geladenen Gästen am Sonntag im Schulzentrum steht ganz im Zeichen der Verbundenheit.
Die Einweihung des Partnerschaftszimmers im Rathaus Vlotho Herbst 1994: Stadtdirektor Jochen Zülka, Bürgermeister Ulrich Sturhahn, Amtskollege Mariusz Izyk und Eckhard Schulz (von links) feiern gemeinsam. Fotos: pr/va
Und die Verbundenheit zwischen Polen und Nordrhein-Westfalen wird 2011 und 2012 mit dem offiziellen Freundschaftsjahr begangen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gab die Marschrichtung vor - und die passt auf Vlotho wie die berühmte Faust aufs Auge: "Auf unmittelbare Kooperationen und Begegnungen kommt es an. Denn keine noch so gut formulierte diplomatische Übereinkunft und kein noch so umfangreicher Wirtschaftsvertrag können Grenzen zwischen Völkern abbauen." Der Kern einer guten Zusammenarbeit mit den polnischen Freunden sei Vertrauen. "Und Vertrauen entsteht vor allem dann, wenn es persönliche Kontakte gibt, wenn ein freundschaftlicher Austausch Tag für Tag gelebt und gepflegt wird", so Hannelore Kraft.
GESW wirkt seit bald 60 Jahren
Die Vlothoer haben sich dieses Vertrauen schon lange auf die Fahnen geschrieben. Seit bald 60 Jahren wirkt das Gesamteuropäische Studienwerk (GESW) und, so Leiter Dr. Zbigniew Wilkiewicz, "vermittelt vor allem Jugendlichen und Erwachsenen aus West- und Ostmitteleuropa Grundlagen der partnerschaftlichen Kommunikation und des respektvollen Umgangs mit anderen Kulturen." Wilkiewicz spricht nach den historisch verheerenden Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs von einem "besonderen Verhältnis" zwischen Deutschland und Polen. Annährungen gab es mit der Ostpolitik in den sechziger und siebziger Jahren: Das GESW habe die Kontakte "auf Augenhöhe" begonnen und fortgesetzt. Und die Unterstützung etwa der Solidarnosc-Bewegung sei auch Hilfe zur Selbsthilfe gewesen, mündend in der Aufhebung der Teilung Europas. Empathie und der partnerschaftliche Umgang miteinander seien nach wie vor große Themen, so Zbigniew Wilkiewicz gestern im VA-Gespräch.
Bürgermeister Bernd Stute hat das Motto des Jahresempfangs auch deshalb gewählt, da er an das 20-jährige Bestehen der offiziellen Vlothoer Partnerschaft mit Lubsko erinnern will. Im April jährt sich die Unterzeichnung der Urkunde im dortigen Kulturhaus durch den damaligen Lubskoer Bürgermeister Piotr Palcat und seinen Vlothoer Amtskollegen Gerhard Wattenberg. Im November drauf kam es dann bereits zur Gründung des Partnerschaftsvereins Vlotho-Lubsko, geführt bis Anfang dieses Jahres von Eckhard Schulz, der dann aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen zurücktrat (VA berichtete).
Schulz erinnert sich gut an die "Initialzündung": Der Vlothoer Verein Moral & Ethik, dem er angehörte, hatte bereits seit 1987 Hilfsgütertransporte für die Kinder im Krankenhaus Lubsko organisiert. Bei einem offiziellen Festakt erfuhr Schulz dann von Piotr Palcat: "Ihr kommt natürlich dazu und sitzt dabei auf unserer Tischseite." Für den Vlothoer ein Schlüsselmoment: "Da wurde uns klar, dass wir über den offiziellen Rahmen hinaus die Partnerschaft auf die Menschen ausdehnen mussten." Und genau so sollte es geschehen und ist es auf der Internetseite des Vereins zu lesen: "Mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen ist es dem Verein gelungen, zunächst die bestehenden Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen und Verbindungen zwischen Vereinen und kommunalen Einrichtungen herzustellen." Es gab gegenseitige Besuche, offizielle und inoffizielle Delegationen, Austausch im Sport und Schüleraustausch, letzteres insbesondere initiiert vom Realschullehrer Hans-Werner Jungmann.
Und: Joanna Król absolvierte 2007 ein Praktikum im Kindergarten an der Breslauer Straße. Vorteilhaft: Durch Kiga-Leiterin Gudrun Krause, aktiv im Partnerschaftsverein dabei, entstand der Kontakt ganz leicht. "Ich werde meine Zeit hier in Vlotho sehr gut in Erinnerung behalten", sollte Joanna später dem VA verraten
Für Aufmerksamkeit sorgten auch die Beziehungen der Feuerwehren untereinander: Im Februar 1994 war erstmals eine kleine Gruppe Steinbründorfer Feuerwehrleute mit dem damaligen Löschgruppenführer Friedrich-Wilhelm Südmersen nach Lubsko gereist.
Spätestens das war der Anfang einer Freundschaft zwischen den Wehren Vlotho und Lubsko: Know How wurde ausgetauscht, Lubskos Feuerwehrchef Marek Lawrecki nahm später einen Vlothoer Mannschaftswagen als Spende entgegen. Dann 2007: Mit einer Bronzemedaille des polnischen Feuerwehrverbandes für besondere Verdienste im Feuerwehrwesen zeichnete Bürgermeister Bogdan Bakalarz Vlothos Ehrenwehrführer Dieter Rethmeier, Friedrich-Wilhelm Südmersen und Eckhard Schulz aus.
Gefeiert wird die Partnerschaft der beiden Städte am Sonntag, 29. Januar, ab 11 Uhr in der Aula des Schulzentrums. Erwartet werden natürlich auch Gäste aus der Partnerstadt.
Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 27.01.2012 um 22:25:57 Uhr
stehenden Code hier ein*: