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17.07.2009
Marleny aus Peru auf Kartoffel-Stippvisite
Praktikantin besucht den Hof Ortmann / "Warum essen die Deutschen nur gelbe Knollen?" / Dicke Erdäpfel in der Heimat
VON MICHAELA BERBALK

Vlotho-Exter (va). Marleny ist verwundert: "Essen Deutsche nur gelbe Kartoffeln? Gibt es denn keine roten und blauen?" Gibt es: Die 26-jährige Studentin aus Peru besuchte den Hof Ortmann, um sich schlauzumachen rund um die deutschen Knollen.

Marleny aus Peru (ganz l.) auf Stippvisite in Exter. Zusammen mit Mitarbeiterinnen des Detmolder Max-Rubner-Instituts ging es zum Ortmannschen Kartoffelfeld. Auf der Abbildung zeigt Landfrau Marlene Ortmann (ganz r.) die farbenfrohen historischen Sorten. Mit dabei waren außerdem (v. l.) Doris Kagerer (Institut), Walter Bätz (Kartoffel-Experte aus Vlotho), Hedy Steffan, Lydia Weber und Elke Grothe (ebenso Max-Rubner-Institut). VA-Fotos: Michaela Berbalk

"In meiner Heimat haben wir ganz viele farbige Kartoffeln. Und wir mögen richtig dicke", erzählt Marleny Caceres Nagarro und nimmt eine kleine Valetta, eine sehr frühe Sorte mit hellem Fleisch, in die Hand. Landfrau Marlene Ortmann und ihre Familie bauen außer den gängigen Sorten wie Belana, Granola, Laura oder Cilena auch historische Kartoffeln an. Und die bunten Erdäpfel erinnern Marleny an ihre ferne Heimat.

Ab in den Kartoffel-Sack: Walter Bätz zeigt Marleny die Abfüllmaschine.

Seit zwei Wochen absolviert die 26-Jährige ein Praktikum beim Max-Rubner-Institut, der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in Detmold. Da sie Ernährungstechnologie studiert und derzeit in Frankreich ihren Master macht, wollte Marleny gerne praktische Erfahrungen in Deutschland sammeln. Beim Max-Rubner-Institut ist sie an der richtigen Adresse. Die dortigen Forschungen kreisen rund um die Kartoffel, speziell um die Verarbeitungstechnologien.

Red Kardinal und Co. führen Schattendasein

"Ich möchte gerne erfahren, wie die Landwirte hier Kartoffeln anbauen und vermarkten", sagt Marleny, die am Beispiel des Exteraner Hofes Einblicke erhält. Dass in Deutschland bunte Kartoffeln eher ein Schattendasein führen, kann Marleny gar nicht nachvollziehen. "Es sind vorwiegend jüngere Kunden, die gerne die historischen Sorten probieren", erklärt Marlene Ortmann. Red Kardinal oder Linzer Blaue - sie alle hätten ein sehr gutes Aroma und machen sich als Kartoffelbrei oder -salat auch optisch gut. Ähnlich wie die Ortmannschen Knollen sehen auch die Kartoffeln aus Peru aus, bestätigt Marleny. Einige Sorten kennt sie aus ihrer Heimat und kann auch mit den deutschen Bezeichnungen etwas anfangen.

Sie isst die Erdäpfel am liebsten gekocht und staunt über die Bandbreite des deutschen Geschmacks: Bratkartoffeln, Püree, Pommes, Salzkartoffeln, Pellkartoffeln oder Gratin. Begriffe wie "festkochend" und "mehlig" versteht sie zunächst nicht. In ihrer Heimat zähle mehr die Größe.

Nachdem Kartoffel-Experte Walter Bätz einen Abriss über die Geschichte der Knolle in deutschen Landen gegeben hat (von der anfänglichen Handarbeit bis zur maschinellen Ernte) geht es ab aufs Feld.

"Mein Vater ist auch Kartoffel-Anbauer. Ich bin praktisch auf dem Feld groß geworden", erzählt die Studentin schmunzelnd. Die Ernte dort sei vielfach Handarbeit, obwohl ihr Vater auch einige Maschinen benutze. Die seien mit dem europäischen Standard aber nicht vergleichbar. Landfrau Marlene Ortmann geht mit Marleny auf den Acker und buddelt einige Erdäpfel aus. "Ja, so ähnlich sehen die Felder in Peru aus. Mit einem Unterschied: Wir haben derzeit Winter", berichtet Marleny. In Lima, der Hauptstadt Perus, herrschen aber noch über zehn Grad Celsius, in Berggegenden wird es kühler.

Kein Kartoffel-Marketing im fernen Peru

Marlene Ortmann ist mit dem Wetter hierzulande zufrieden. Der Regen in der vergangenen Woche sei zur rechten Zeit gekommen. Sie erwartet eine gute Ernte.

Marlenys Vater hat keine riesige Farm und verkauft die Kartoffeln auf Wochenmärkten und auf dem Hof - ähnlich wie die Ortmanns. "Ein Marketing für die Kartoffel gibt es bei uns nicht". Lydia Weber vom Max-Rubner-Institut freut sich, dass ihre Praktikantin aus Peru Gelegenheit hat, sich bei einem heimischen Kartoffelanbauer vor Ort informieren zu dürfen. "Bei uns in Detmold war sie bei einigen Stärke-Untersuchungen dabei", sagt Lydia Weber. Die Kontakte nach Lima werden sehr sorgfältig gepflegt. "Für Wissenschaftler, die sich mit Kartoffeln befassen, ist es ein Traum, einmal im Leben mit dem dortigen internationalen Kartoffeln-Institut zusammenzuarbeiten", schwärmt sie. Über das bekannte Institut (CIP) knüpfte auch Marleny Kontakte nach Detmold. Für Marlene Ortmann war es ebenfalls spannend, die Besucherin aus Peru über den Hof zu führen. Bislang hatte sie noch keinen internationalen Gast, der sogar noch aus jenem Land stammt, aus dem die "tolle Knolle" ursprünglich stammt: aus Peru.

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Dokument erstellt am 16.07.2009 um 22:25:05 Uhr

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