Es gibt auch noch erfreuliche Nachrichten aus Afghanistan. Die Weizenernte dort reicht in diesem Jahr fast aus, den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Und zum zweiten: Die Bauern pflanzen weniger Schlafmohn an, aus dem Heroin gewonnen wird. Für die zivilen Hilfsorganisationen im Land geht damit so etwas wie ein Traum in Erfüllung: Abkehr vom Rauschgift-Geschäft, in das Taliban wie Teile des Regierungsapparates gleichermaßen verwickelt sind, dank überproportionaler Ernte bei gestiegenen Weizenpreisen.
Der Segenspender war ausreichender Regen nach monatelanger Dürre. Doch darauf ist kein Verlass. Also muss mehr Geld in Bewässerungssysteme investiert werden. Die Deutsche Welthungerhilfe, die im Norden und Osten des Landes schon seit über 20 Jahren in diesem Sinne tätig ist, plädiert deshalb immer wieder für mehr zivilen Aufbau. Militär ja, aber wo immer möglich nur afghanisches. Selbst die Taliban haben die Deutschen gewähren lassen.
Der afghanische Agrarminister hat die Vision, dass sein Land sogar zum Weizenexporteur werden könnte. Aber selbst das wäre nur die Lösung des halben Problems, die andere Hälfte ist das fehlende Einkommen der Familien für den Kauf von Lebensmitteln. Die Welthungerhilfe hält mit so genannten "Cash for work"-Maßnahmen dagegen. Das sind bezahlte Arbeiten etwa beim Damm- oder Straßenbau, bei der Herstellung von Textilien oder bei der Sanierung eines Waisenhauses. Almosen-Mentalität kommt so erst gar nicht auf. Die Moral der Regierenden steht auf einem anderen Blatt. Zu viel Hilfsgelder verschwinden dort noch immer in dunklen Kanälen.

