Als das I. Deutsch-Niederländische Korps aufgestellt wurde, diskutierten ein deutscher und ein holländischer Offizier über ein Problem. Jedes Mal, wenn der Niederländer einen Lösungsvorschlag machte, wedelte der Deutsche mit einem Ordner. Bis dem Gegenüber der Kragen platzte: "Ihr habt Eure Vorschriften, wir haben unseren Pragmatismus", zischte er erbost. 15 Jahre sind seit dieser Episode vergangen. Vom Pragmatismus der Niederländer haben die Deutschen leider trotz gemeinsamer Einsätze in Afghanistan noch nicht genug gelernt.
Gemeint ist eine überbordende und praxisferne Ministerialbürokratie, die selbst die Mülltrennung im Feldlager regelt. Gemeint ist eine Militärführung, die mit Verweis auf Vorschriften aus Friedenszeiten versucht, einen Krieg gegen Aufständische zu gewinnen. Der Wehrbeauftragte ist zu Recht empört. Es fehlt Munition. Ein "sehr gut gesichertes" Sanitätsfahrzeug wird nicht beschafft, weil die Stehhöhe nicht der deutschen Norm entspricht und die Ärzte sich den Kopf stoßen könnten. Hanebüchen! Wenn Deutschland Truppen in eine Krisenregion entsendet, haben die Verantwortlichen dafür zu sorgen, dass dies zu möglichst erträglichen Bedingungen geschieht. Darum muss der Verteidigungsminister die Klagen ernst nehmen. Und auch mal "fünfe gerade" sein lassen, wenn sich Vorschrift und Sicherheitserfordernisse widersprechen.


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