Donnerstag, 09.09.2010
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24.07.2010
THEMA: STRESSTEST FÜR EUROPÄISCHE BANKEN
Durchsichtiges Manöver
VON KARL ZAWADZKY

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse war mit Bedacht gewählt: Freitag nach Börsenschluss. Bis am Montag die Börsen wieder öffnen, kann beim Banken-Striptease verloren gegangenes Vertrauen von den Instituten durch Kapitalzufuhr wieder aufgebaut werden. Wenn das nicht gelingt, müssen notfalls die Staaten und die EU mit ihren Rettungsfonds zur Hilfe eilen. Doch so schlimm wird das nicht kommen, denn die Kriterien für den Test waren äußerst großzügig gestaltet. Das hat die Aussagekraft ziemlich entwertet.

Stresstests werden ziemlich regelmäßig von den Banken selbst sowie von den nationalen Aufsichtsbehörden vorgenommen. Getestet wird dabei, ob die Kapitalausstattung der Institute einen starken Einbruch der Wirtschaft und der Lage am Markt für Staatsanleihen wegen der dadurch erforderlichen Abschreibungen auf Kredite und Wertpapiere abfedern kann. Die Skandal-Bank HRE wäre dazu nicht in der Lage, was weder überrascht noch zusätzliche Sorgen bereitet, denn sie hängt ohnehin am Tropf des Staates. Auch sind die Probleme einiger Landesbanken bekannt, sodass sich Neuigkeitswert und Vertrauensverlust infolge des Tests in Grenzen halten. Selbst die Ergebnisse des Tests für griechische Banken und spanische Sparkassen haben keinen Neuigkeitswert. Niemand hatte anderes erwartet.

Der von der Politik mit großem Tamtam in Szene gesetzte Stresstest macht wenig Stress. Das liegt vor allem daran, dass die Parameter dieses Belastungs-EKGs böse Überraschungen vermieden haben. Zum Beispiel sind Ausfälle bei Krediten und Anleihen durchgespielt worden, aber keine Staatspleite, wie sie Griechenland ohne den Rettungsschirm hingelegt hätte. Während in Amerika ein strenger Test das Vertrauen in die Banken gestärkt hat, wird genau dies in Europa nicht erreicht werden. Hier waren die Kriterien für die Prüfung so weich ausgelegt, dass das Ergebnis wenig darüber aussagt, ob die Kapitaldecke der Banken stark genug ist, um neuerliche Schocks auszuhalten. Das Manöver war zu durchsichtig, um seinen Zweck zu erreichen.

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Dokument erstellt am 24.07.2010 um 01:25:37 Uhr

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