Die Deutschen sind ein Volk von Geizkragen. Das gilt besonders bei Lebensmitteln. Jede Woche locken neue Sonderangebote die Kunden an die Regale. Die Billigpreise sind nur über Massenproduktion zu erwirtschaften. Und die hat ihre Kehrseite, gerade in der Tierhaltung. Eigentlich sollte bei einer Erkrankung nur das betroffene Tier behandelt und von gesunden Artgenossen isoliert werden. Bei der Massenhaltung ist dies jedoch nicht üblich. Da werden gleich ganze Herden mit Antibiotika behandelt, zum Teil sogar prophylaktisch, um massenweise Ansteckungen zu unterbinden. Die Kehrseite: Keime auf die im großen Stil verabreichten Medikamente können resistent werden.
Nun warnen Experten vor Panikmache, da resistente Tier-Keime nur selten zu ernsthaften Erkrankungen von Menschen führen. Dennoch besteht die Gefahr, dass Menschen, die das Fleisch verarbeiten oder verzehren, ernsthaft erkranken und dann nur schwer behandelt werden können. Besonders gefährlich ist, wenn solche Erreger in Krankenhäusern einziehen.
Die Verabreichung von Antibiotika im großen Stil muss eingedämmt werden. Ministerin Ilse Aigner drängt auf strengere Regeln für die Anwendung von Antibiotika und bessere Kontrollen. Die beste Vorschrift ist aber nur so gut, wie sie überwacht und umgesetzt wird. Schon setzt das bekannte Schwarze-Peter-Spiel ein: Die Länder fordern schärfere Regeln durch den Bund, der Bund wirft den Ländern vor, dass sie die vorhandenen Vorschriften nicht ausreichend überwachen. Dabei müsste allen Beteiligten klar sein, dass eine lückenlose Überwachung aller Lebensmittel vom Stall oder dem Feld bis auf den Teller nicht möglich ist.
Lebensmittel-Kauf und -Verzehr ist vor allem Vertrauenssache. Der Bauer, der Fleischer oder der Händler, der seine Kunden persönlich kennt und bedient, riskiert seine Existenz, wenn er belastete Produkte verkauft. Er wird im ureigensten Interesse auf beste Qualität achten. Diese hat natürlich ihren Preis. Solange die große Mehrheit der Kunden dem günstigsten Angebot hinterher laufen, wird es Massentierhaltung geben. Die daraus folgenden Risiken sind der Preis für billig.

