Vor vier Jahren entschieden sich die amerikanischen Wähler für die Hoffnung und machten Barack Obama zu ihrem Präsidenten. Im November muss Amerika erneut wählen - diesmal wird es eine innenpolitische Richtungsentscheidung sein.
Während die oppositionellen Republikaner ihren Herausforderer irgendwo zwischen sehr konservativ und erzkonservativ suchen, festigt Obama in seiner Rede zur Lage der Nation seinen "sozialistischen" Ansatz. Entweder so oder gleich als Kommunismus geißeln Gegner den Wunsch des Präsidenten, das eklatante Wohlstandsgefälle in den USA abzumildern.
In der Tat erscheint Obamas Innenpolitik zunächst unamerikanisch. Der Aufschrei vor allem auf dem Land ist durchaus verständlich. Die Nachkommen der Pioniere haben ein stark auf persönliche Freiheit gegründetes Selbstbild. In Europa hingegen sind viele von Obamas Ideen ein alter Hut: Günstige Kredite für Hauskäufer beispielsweise. Oder eine gesetzliche Krankenversicherung. Oder hohe Spitzensteuersätze.
Europa als wirtschafts- und gesellschaftspolitisches Vorbild für einen US-Präsidenten? Wohl nicht. Schließlich hat der Alte Kontinent in der Krise den Stein der Weisen auch noch nicht gefunden. Obama macht schlicht den "Common Sense" zum Leitgedanken - in beiden Versionen: als "gesunder Menschenverstand" und "Gemeinsinn" - denn eine auseinanderdriftende Gesellschaft wird irgendwann auseinanderreißen.
Dass die Republikaner Obamas ausgestreckte Hand in der Vergangenheit immer wieder ausschlugen, ist für den Amtsinhaber zusätzliche Wahlkampf-Munition: Er wolle Obstruktion mit Aktion bekämpfen, sagt der Präsident angriffslustig. Und: Die Parteien dürfen nicht länger in "fortwährender gegenseitiger Vernichtung" gefangen bleiben. Der Hoffnungsträger gibt die Hoffnung nicht auf.

