Die meisten der an der internationalen Afghanistan-Schutztruppe beteiligten Staaten würden ihre Soldaten lieber heute als morgen abziehen. Der Einsatz ist in den Bevölkerungen der sich engagierenden Länder unpopulär, der Preis ist hoch. Allein die Bundeswehr hat 52 Soldaten am Hindukusch verloren, die Kosten gehen in die Milliarden.
Was bekommt der deutsche Steuerzahler dafür? Sicherheit lautet die lapidare Antwort. Afghanistan ist kein risikoloses Rückzugsgebiet mehr für den internationalen Terrorismus. Allerdings: Das Land ist auch weit von Stabilität entfernt. Und noch weiter davon, eine Demokratie zu sein.
Dennoch gibt es in Afghanistan Erfolge. Schulen, Universitäten - selbst jedes Kofferradio, aus dem Musik dudelt, jedes Kind, das heute ungestraft gegen einen Fußball treten kann, ist ein kleiner Erfolg. Die Nato hatte nach den furchtbaren Anschlägen vom 11. September 2011 gute Gründe, den Taliban- und El-Kaida-Staat anzugreifen. Sie ist allerdings teilweise ziemlich blauäugig in die Mission gegangen, hat die Gegebenheiten vor Ort falsch eingeschätzt und viele Einheimische gegen sich aufgebracht.
Gerade die Deutschen haben lange geglaubt, sie entsenden eine Art Technisches Hilfswerk, nur zum Selbstschutz bewaffnet. Das war ein - anfangs auch von der Politik wohl gern in Kauf genommener - schwerer Irrtum. Dennoch hat die Bundesrepublik eine Verpflichtung übernommen. Mit der Verkleinerung der Truppe hat der Bundestag ein Signal für den Abzug gestellt. Die Nato werde vom Fahrer- auf den Beifahrersitz rücken, so Verteidigungsminister Thomas de Maizière.
Allerdings muss noch deutlich mehr getan werden, um die künftigen "Fahrer" der Mission Stabilisierung, also die afghanischen Sicherheitskräfte, gut auszubilden und zu bezahlen. Was ein Abzug vor der wirklichen Erfüllung einer Aufgabe zur Folge hat, lässt sich derzeit leider im Irak beobachten.

