Donnerstag, 17.05.2012
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28.01.2012
THEMA: HOLOCAUST-GEDENKTAG
67 Jahre danach
VON TORSTEN HENKE

Es war eine bemerkenswerte Stimmung gestern im Bundestag. Da war das alltägliche Politik-Geschäft, Ernährungssicherheit stand auf der Tagesordnung oder der demographische Wandel. Zugleich aber zwang der Holocaust-Gedenktag zum Innehalten. Vor 67 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit, Symbol für das monströse Verbrechen, das dem jüdischen Volk in deutschem Namen angetan wurde.

Marcel Reich-Ranicki machte dieses dunkelste Kapitel unserer Geschichte durch seine erschütternden persönlichen Erinnerungen anschaulich. Die Zahl derer, die Hitlers Todesmaschinerie überlebten, und die ihr Leid schildern können, nimmt stetig ab. Das darf nicht zum Vergessen führen.

Nie wieder - so muss die Botschaft lauten. Gerade jetzt mehr denn je. Der bewegende Bericht Reich-Ranickis macht es noch unbegreiflicher, dass es hierzulande noch immer und wieder Menschen gibt, die sich den Lehren aus der deutschen Katastrophe verweigern, die sich in der Tradition der Nationalsozialisten wähnen und deshalb sogar Morde begehen; noch unbegreiflicher, wie sehr Antisemitismus und Intoleranz in der Gesellschaft verbreitet sind.

Jugendliche, aber auch Erwachsene weisen heute bedenkliche Lücken beim Wissen über den Nazi-Terror auf. Auschwitz - ja, da war mal was. Doch für viele ist das weit weg und hat kaum noch Bedeutung. Das Gedenken verblasst und wird zu einer oft lästigen Pflichtübung.

Deutschland hat seine Lektion aus der Geschichte doch gelernt, nun muss es auch mal gut sein, heißt es oft. Nein, es ist nicht gut. Es wird niemals gut sein. Denn nur wer weiß, welche Schuld das deutsche Volk auf sich geladen hat, wird rechtsextremem Ungeist entgegentreten, neuen Anfängen wehren können. Um so wichtiger ist es, den letzten Zeitzeugen zuzuhören.

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Dokument erstellt am 28.01.2012 um 01:16:03 Uhr


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