Donnerstag, 17.05.2012
| Impressum | Kontakt | Sitemap | Newsletter

01.02.2012
THEMA: MOSKAU VERHINDERT SYRIEN-RESOLUTION
Russischer Zynismus
VON GEORG SPRANGER

Zynischer ist die Außenpolitik der gewesenen Großmacht Russland seit den Zeiten der UdSSR selten gewesen. Die Argumentation von Sergej Lawrow gegen eine Verurteilung Syriens durch den Weltsicherheitsrat erinnert an die dreiste Tatsachenverdrehung der sowjetischen Führung, wenn die Rote Armee mal wieder zu einer brüderlichen Niederschlagung der Konterrevolution in ein sozialistisches Bruderland gerufen worden war.

Die Gründe für Moskaus Verhalten sind rasch aufgezählt: Geostrategische Interessen, Waffenverkäufe und nicht zuletzt Furcht vor einer Ansteckung der moslemischen Völker im Kaukasus. Auch ein Spiel über die Bande ist nicht ganz auszuschließen: Durch die Zuspitzung des militärischen Terrors gegen die Zivilbevölkerung die Nato zum Eingreifen provozieren, um damit antiwestliche Reflexe in der arabischen Welt zu produzieren und so verlorenen Einfluss dort zurückzugewinnen.

Was immer die russische Führung bezweckt, sie wird bei diesem Pokerspiel draufzahlen. Wenn sie die UN zur Hilflosigkeit verurteilt, nimmt der Bürgerkrieg seinen unaufhaltsamen Gang. In dessen Verlauf ist eine militärische Intervention der Arabischen Liga nicht mehr ausgeschlossen. Forderungen danach gibt es bereits.

Dann aber könnte sich der Syrien-Verbündete Iran herausgefordert fühlen - und über Nacht stände die Region endgültig in Flammen. Die zu löschen, wäre Moskau bei Weitem nicht in der Lage. Das könnten nur noch die UN. Die danach an der Frage nach dem russischen Veto-Recht nicht mehr vorbeikämen.

Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 01.02.2012 um 01:11:26 Uhr


ePAPER