"Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von anderen. So wird dir Ärger erspart bleiben", hat der alte Konfuzius gesagt. Ein weiser Rat, der Angela Merkel gelten könnte, deren fünfter China-Besuch heute beginnt.
Die Deutschen und die Europäer neigen dazu, mehr zu erwarten, als Peking zu geben bereit ist. Bei der Euro-Rettung zum Beispiel. So hofft man in Brüssel und in den anderen EU-Hauptstädten weiterhin, dass China in den Rettungsfonds investiert. Merkels Gastgeber haben sich allerdings bislang mit einem Engagement sehr zurückgehalten.
Das ist nicht das einzige heikle Thema, das die Kanzlerin im Reich der Mitte anzusprechen hat. Natürlich muss es auch bei dieser Visite um die Menschenrechte gehen. Merkel wird deutlich, aber behutsam darüber sprechen, weil sie kein Interesse daran haben kann, die Chinesen zu brüskieren. Zu groß ist mittlerweile die Abhängigkeit von den dortigen Märkten - bis unmittelbar in unsere Region, wie ein Blick auf unsere heutige Wirtschaftsseite lehrt.
Deutsche Unternehmen hoffen auf Rechts- und Investitionssicherheit. Und sie pochen darauf, dass China ihr geistiges Eigentum achtet. Nicht zuletzt ist die deutsche Industrie auf Chinas Rohstoffe angewiesen.
Beispiel Energiewende: Von der Energiesparlampe über Windräder und Solarzellen bis hin zu leistungsfähigen Batterien - für all das sind heute Hochleistungsmetalle erforderlich, die fast nur in China gewonnen werden. Zumeist unter entsetzlichen Bedingungen. In letzter Zeit hat China das Angebot künstlich verknappt.
Während die Bundesrepublik aus der Atomkraft aussteigt und mit der Steinkohle leichtfertig auf einen heimischen Energieträger verzichtet, begibt sie sich immer mehr in Abhängigkeit von China oder - Stichwort Erdgas - von Russland. Ökonomisch gesehen hat die Handelsreisende Merkel deshalb allen Grund, in Peking gute Miene zum nicht immer erfreulichen Spiel zu machen.

