Donnerstag, 17.05.2012
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26.07.2011
Google springt auf Netzwerk-Strom
Internetriese will mit neuem Portal in Facebook-Gewässern fischen / Zweiter Anlauf
VON PETER ZSCHUNKE

Schon drin bei Google+ oder noch draußen? Diese Frage ist unversehens zum Gradmesser der digitalen Existenz geworden. In nur drei Wochen ist das Soziale Netzwerk bei den Internet-Nutzern angekommen.

Sieht unspektakulär aus, soll aber ein großer Wurf werden: Google+, hier die Benutzeroberfläche auf dem iPhone. Foto: dpa

Obwohl die Online-Plattform in der ersten Testphase noch nicht öffentlich zugänglich ist, sind bereits zehn Millionen Nutzer dabei. Noch wichtiger: Das Netzwerk lebt und wird rege genutzt. Auch "in Deutschland sehen wir ein erfreuliches Interesse an Google+, vergleichbar mit dem Interesse aus anderen Ländern", erklärt Firmensprecher Stefan Keuchel, ohne genaue Zahlen zu nennen. Bei Facebook sind es weltweit 750 Millionen Nutzer, davon rund 20 Millionen in Deutschland.

Facebook hat es geschafft, für breite Bevölkerungsgruppen zu einem Alltagsphänomen zu werden. Für den Neuling Google+ ist das noch ein weiter Weg. Allerdings scheint das Interesse ungewöhnlich hoch zu sein. Viele Test-Nutzer von Google+ werden immer wieder um eine Einladung gebeten.

Googles Versuch "Wave" inzwischen abgeschaltet

"Google hat es mit Google+ geschafft, nach den bisherigen Versuchen mit Wave und Buzz eine hohe Aufmerksamkeit und sehr positives Feedback für sein neues Social Network zu erhalten", sagt Curt Simon Harlinghausen von der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW).

Das 2009 gestartete Wave sollte eine innovative E-Mail-Alternative werden - und wurde im vergangenen Jahr von Google eingestellt. Für viele Nutzer war dieser Dienst trotz spannender Möglichkeiten einfach zu kompliziert. Buzz, 2010 gestartet, hat den E-Mail-Dienst von Google erweitert, konnte die Nutzer aber nicht dauerhaft fesseln.

Google+ ist weit weniger innovativ als Wave - und überfordert deswegen niemand. Im Zentrum des Netzwerks steht die bewährte Idee des "Streams": Dieser Strom schwemmt ständig neue Beiträge an - kleine Textmitteilungen, ein Foto oder ein Film, ein Hinweis auf einen Internet-Link oder die Antwort auf die immer wieder gestellte Frage: Wo bist Du gerade?

Das von Facebook und anderen Netzwerken erfolgreich genutzte Stream-Konzept wurde von Google behutsam erweitert. Zum einen ist es nicht mehr nötig, einen Kontakt zu bestätigen - wie beim Kurzmitteilungsdienst Twitter "folgt" man einfach den Personen, die man für interessant hält. Zum anderen kann man diese Kontakte in "Kreise" einteilen und dann gezielt mit unterschiedlichen Mitteilungen bespaßen: Die Familie bekommt andere Botschaften zu sehen als der Kollegenkreis. Diese Idee verfolgt auch das Soziale Netzwerk Diaspora - um dieses Open-Source-Projekt ist es allerdings recht still geworden.

Während Google+ für Furore sorgt, machen die Konkurrenten einen leicht nervösen Eindruck. So wollte der Brite Michael Lee Johnson mit einer Facebook-Anzeige auf sein Google+-Profil aufmerksam machen - erhielt dann aber die Mitteilung, dass alle seine Anzeigen wegen Verletzung der Nutzungsbestimmungen gesperrt worden seien.

Netzwerk-Markt schon voll besetzt

Dazu befragt antwortet eine Facebook-Sprecherin: "Wie andere Unternehmen und entsprechend unserer seit einiger Zeit verfolgten Linie behalten wir uns das Recht vor, keine Anzeigen zu verbreiten, die für Produkte oder Dienste von Wettbewerbern werben." Offiziell gibt sich Facebook bei der Frage nach dem neuen Konkurrenten freilich gelassen: "Wenn es darum geht, das Web sozialer zu machen, stehen wir noch ganz am Anfang, da gibt es überall Möglichkeiten für Innovationen."

Ausgesprochen kritisch äußerte sich LinkedIn-Chef Jeff Weiner: Für Google+ gebe es gar keinen Platz mehr in der Landschaft der Sozialen Netzwerke. Die eigene Business-Plattform werde fürs Berufsleben genutzt, Facebook für den Austausch mit Familien und Freunden und Twitter für schnelle Mitteilungen an ein großes Publikum. Wann solle er jetzt noch Google+ nutzen? "Ich habe keine Zeit mehr", gab sich Weiner selbst die Antwort. dpa

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Dokument erstellt am 25.07.2011 um 22:25:42 Uhr