Berlin (nw). Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser fordert von der IG Metall, "die Kirche im Dorf zu lassen." "Übermut tut selten gut", sagt er zu der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn. Alexandra Jacobson berichtet.
Noch ist es nicht sicher, ob die IG Metall in der im März beginnenden Tarifrunde tatsächlich 6,5 Prozent mehr fordern wird – vorsorglich aber distanziert sich Martin Kannegiesser von diesen Überlegungen. "Wir sehen in einer derartigen Größenordnung ein Stück Leichtfertigkeit", meint der Unternehmer aus Vlotho. Der Verbandspräsident entdeckt in der Forderung einen "verbrämten Nachschlag", wofür es aber keinen sachlichen Grund gebe.
Wolle man den Verteilungsspielraum anhand der klassischen Maßstäbe Teuerung und Produktivitätszuwachs ermitteln, komme man auf knapp unter drei Prozent. Diese Zahl möchte Kannegiesser aber nicht als Angebot des Metall-Arbeitgeberverbands verstanden wissen.
Die Branche habe zwar den dramatischen Absturz im Jahr 2009 überwunden, doch herrsche weiterhin Unsicherheit. "Viele der Krisenherde sind zwar überdeckt, aber noch nicht geheilt worden." Die Betriebe müssten ihre finanziellen Handlungsspielräume erhalten. Zum einen gestalteten sich die Finanzierungsbedingungen immer schwieriger, und zum anderen machten Technologieschübe höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung erforderlich. Kannegiesser warnt auch davor, bei der finanziellen Besserstellung der Zeitarbeiter zu überziehen und so dieses "Instrument der externen Flexibilität" für die Betriebe zu entwerten.
Die Metall- und Elektroindustrie gehört mit einem Umsatz von knapp 900 Milliarden Euro und rund 3,5 Millionen Beschäftigten zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Die Unternehmen haben ihre Stammbelegschaften wieder kräftig aufgestockt. Bis November 2011 wurden 191.000 Arbeitsplätze zurückgewonnen: fast genauso viele, wie in der Krise 2009 abgebaut worden waren. Kannegiesser spricht von einem "Beschäftigungswunder". Besonders gut entwickelten sich die Automobilbranche und die Zulieferindustrie.