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16.11.2011
Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Berliner Gold-Kontor verspricht dicken Gewinn / Verbraucherzentrale warnt vor Masche
VON DORIS CHRISTOPH

Vlotho (va). "Schon wieder so was Komisches", dachte sich Renate Kobusch, als sie den Briefumschlag aufmachte und eine Gewinnmitteilung des Berliner Gold-Kontors (BGK) herauszog. Angeblich hat die 70-jährige Vlothoerin einen Goldbaren gewonnen. Doch dahinter verbirgt sich offenbar eine üble Abzocke.

Das Berliner Gold-Kontor verspricht Vlothoern den Gewinn eines Goldbarrens. Archiv-Foto: dpa

"So was Eigenartiges", findet ihr Lebensgefährte Paul-Gerhard Stagnet, der das Schreiben zum VA brachte. "Das Gold-Kontor wird es gar nicht geben", meint er. Es wäre ja auch zu schön: Laut des angeblichen Gewinnerschreibens der Berliner Firma erhält Renate Kobusch einen von 250 Goldbarren, die im Raum Vlotho verlost worden seien. Der Gewinnbeauftragte der BGK, Volker Scholz, wolle ihr den Barren persönlich am 7. Dezember im Weserbergland überreichen.

Kein Gold wert: Paul-Gerhard Stagnet ärgert sich über die Gewinmitteilungen, die wöchentlich in seinem Briefkasten landen. Foto: Doris Christoph

"Sehr geehrte Frau Kobusch, sicherlich sind Sie jetzt am überlegen, ob das alles wahr sein kann? Ich gebe Ihnen mein Wort, Ihren 999,99 Goldbarren, erhalten Sie, als Gewinner, ohne Wenn und Aber garantiert ausgehändigt", heißt es im Anschreiben, als seien die Zweifel der Empfänger erraten worden. Es gibt sogar einen Abholservice: Ein Bus nimmt sie am 7. Dezember vom Kirchplatz/Mindener Straße mit. Andere Teilnehmer steigen an diversen Haltestellen in Bad Oeynhausen zu. Für die Teilnahme an der Fahrt muss sich Renate Kobusch nur anmelden - und fünf Euro Gebühr pro Person bezahlen.

"Es ist nicht notwendig, seinen Gewinn abzuholen. Normalerweise werden Gewinne überstellt. Das wird eine Verkaufsveranstaltung werden", ist sich Ursula Thielemann von der Verbraucherberatung NRW in Minden sicher. "Das hat hinterher nichts mehr mit Goldbarren zu tun." Sie rechnet damit, dass die BGK nicht nur in Vlotho und Bad Oeynhausen ihre "Gewinner" einsammeln wird. "Die karren eine Woche lang Busseweise die Leute in einer Region zu den Veranstaltungen."

Die Masche mit dem Gold ist der Leiterin der Verbraucherberatung in Minden neu. "So was habe ich auch noch nicht gesehen", sagt sie zu dem Gewinnschreiben. Sie warnt dringend davor, an der vorgeschlagenen Reise der Firma teilzunehmen, die Renate Kobusch zugesandten Unterlagen weisen einige Hinweise auf Verkaufsveranstaltungen auf.

Keine Handhabe gegen Briefkastenfirmen

Die Fachfrau hat immer wieder mit solchen Abzocken zu tun: Da bekommen Bürger eine Gewinnbenachrichtigung und den Preis können sie sich abholen. Doch die Fahrten entpuppen sich als Verkaufsveranstaltungen, bei denen überteuerte Waren als Vergünstigungen angepriesen werden. Besonders beliebt seien dabei Nahrungsergänzungsmittel, weiß Thielemann. Bezahlt werden solle dann mit Überweisungsträger oder per EC-Karte. Später wird dann oft mehr abgebucht, als der vereinbarte Betrag.

Zurückholen können sich die Betrogenen das Geld dann aber nicht mehr. Beim Berliner Gold-Kontor handelt es sich beispielsweise nur um eine Briefkasten-Firma, die unter einer Postfach-Adresse zu erreichen ist. "So kommt man an die Firma nicht ran", sagt Ursula Thielemann. Denn: Es könne niemandem eine Klage zugestellt werden, da es keine ladungsfähige Adresse gebe.

Dubios kommt ihr neben der Anschrift auch die angegebene Telefonnumer vor: Durch die Kopplung der Zahlen soll aus der Handynummer 01603-488427 eine Festnetznummer werden. Auch das Versprechen, einen Goldbarren zu erhalten, findet sie seltsam: Denn der wahre Wert des Barrens wird gar nicht genannt. Wolfgang Nöthe vom Juwelier Ottenhausen erklärt, was es mit dem von BGK versprochenenen Barren "9999,99 1 G" auf sich haben kann: "Mit 9999,99 ist der Feinheitgehalt des Goldes, also dessen Reinheit gemeint." Allerdings der Feingehalt von wahrscheinlich nur einem Gramm. Denn auch die Bezeichnung Barren kann falsche Hoffnungen wecken. "Ein Barren kann auch ein Blättchen Gold sein", weiß Nöthe. Auf dem Flyer von Renate Kobusch ist allerdings ein dicker Goldbarren zu sehen.

Seltsam erscheint ihrem Lebensgefährten Paul-Gerhard Stagnet, wie die Firmen an seine Adresse kommen, denn: "Wir kriegen immer wieder solche Post, bei der uns Gewinne versprochen werden." Vor allem wundert es ihn, dass nur seine sieben Jahre ältere Partnerin solche Post erhalte.

"Von diesen Gewinnschreiben sind alle Schichten betroffen, aber auch zunehmend ältere Menschen", weiß Ursula Thielemann. Denn die seien die klassischen Kreuzwort-Rätsel-Fans - die ihre Lösungen gerne einschicken und damit ihre Adressen verraten. Jüngere Personen geben ihre Daten eher im Internet preis. "Aber es gibt natürlich auch das Telefonbuch, aus dem sich Adressen ziehen lassen." Sie rät zur Datensparsamkeit. "Das ist meine absolute Empfehlung: Keine Rätsel, keine Gewinnspiele, nirgendwo die Adresse angeben."

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Schwarze Liste unseriöser Betreiber von Gewinnspielen zusammengestellt, die im Internet einsehbar ist. Die BGK steht allerdings noch nicht drin:

http://www.vzhh.de/recht/31488/Gewinnspiele-Liste.pdf

Dokumenten Information
Copyright © Vlothoer Anzeiger 2012
Dokument erstellt am 15.11.2011 um 22:25:39 Uhr